Das politische Buch: Wie funktioniert Politik?

Prof. Werner Weidenfeld hat in der Süddeutschen Zeitung ein neues Buch des Politikprofessors Roland Sturm besprochen: „Wie funktioniert Politik? Die Beweggründe des Politischen in den Nationalstaaten und in der EU.“ Das Werk berührt laut Weidenfeld einen „wunden Punkt“ und er fragt: „Kann diese Art von repräsentativer Demokratie eine Zukunft haben?“

Weidenfeld geht damit an die Wurzel. Viele Menschen haben den Eindruck, dass sich „Regierung und Volk nicht mehr verstehen“. Das ist auch der Einstieg für Sturm ins Thema. Zwar fordern – zumindest unterschwellig – viele Menschen schnelle und oftmals einfache Antworten. Die Komplexität der Realität lässt das aber auf politischer Seite nicht zu. Wer der Verlockung erliegt, endet als Populist. Für Sturm, so Weidenfeld, hätten die politischen Akteure „eine eigene, komplexe Form der Realitätsverarbeitung erlernt, die der Autor politische Rationalität nennt.“ Für Weidenfeld beschreibt Sturm eine Art alte Rationalität: Die Ablösung von Vertrauen durch Misstrauen. Die Orientierungspunkte einer „neuen Rationalität“ aber fehlen dem Rezensenten zunehmend.

Weidenfeld fordert für die Politik oder besser das politische Handeln seinerseits gute Erklärer und sieht uns alle nicht in der Loge sitzen, von der aus wir das Spektakel mehr oder weniger gelangweilt verfolgen, sondern als aktive Teilhaber, Mitverantwortliche und Mitwirkende. Es gelte, so Weidenfeld weiter, Strategien, Deutungen und Zukunftsbilder zu liefern, um den Bedarf an „neuer Rationalität“ des Politischen zu befriedigen.

Quelle: Das politische Buch, SZ, 17.12.2018, S. 13