Dreißigjähriger Krieg: Das deutsche Trauma reicht bis in die Gegenwart

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Das politische Buch: „Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma“, von Herfried Münkler, erschienen im Rowohlt-Verlag. Anlass ist der 400ste Jahrestag des Ausbruchs dieser Katastrophe, den die Geschichtsschreiber auf den 23. Mai 1618 datieren. Der Tag des „Prager Fenstersturzes“.

Der an der Berliner Humboldt Universität lehrende Politikwissenschaftler und Historiker Herfried Münkler hat ein monumentales Geschichtswerk veröffentlicht. Es handelt vom „Krieg der Kriege“ in Mitteleuropa und dessen Folgen, die bis heute starken Einfluss auf den Umgang der Deutschen mit dem Staat haben: Föderalismus und Staatsgläubigkeit.

Während sich nach dem Ende der Verheerungen im ausgehenden 17. Jahrhundert in Frankreich und England die staatlichen Institutionen herausbildeten und die beiden Länder zu europäischen Großmächten mit frühkapitalistischen Strukturen heranwuchsen, war man in den souverän gewordenen deutschen Territorien darauf bedacht, die Schatzkammern zu füllen. Das kameralistische Staatsgebilde entwickelte sich. Im Wetteifern um die besten Beamten und Künstlern, bildeten sich viele mehr oder weniger blühende Zentren. Das macht bis heute das Bild in Deutschland aus: 16 Bundesländer inklusive Kultushoheit.

Das Fokussieren auf die eigenen, territorialen Finanzen führte zu einem sehr ausgeprägten staatlichen Denken im Kleinen. Man setzte auf die Beamten des Königs bzw. Herrschers und deren staatliches Wirken. Die Kreativität der Staatsdiener in Sachen Geldschöpfung und Verwaltung muss schier endlos gewesen sein. Der Österreichische Ökonom Josef Schumpeter beschrieb das kameralistische deutsche System im Zeitalter des Absolutismus so: „Für kein Volk konnte der Staat und seine Organe so sehr Gegenstand unerschöpflichen Interesses werden wie für das deutsche.“