Politikwissenschaft – Die bedeutungslose Wissenschaft?

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Vor wenigen Jahren hieß es noch die deutsche Politikwissenschaft habe zu wenig internationale Reputation und veröffentliche zu wenig. Dies soll sich zwar geändert haben, international sei das Renommee angeblich gestiegen. Dennoch werden Stimmen laut, die diese Disziplin in einer Spirale der Bedeutungslosigkeit sehen.

Vorwurf: Die Politikwissenschaft verliert an gesellschaftlicher Relevanz. Im öffentlichen Diskurs fehlt es der Wissenschaft an Aufmerksamkeit – und das hat seinen Grund. Theoretische und methodische Kompetenzen werden zunehmend wichtiger, aber gleichzeitig wird die Behandlung aktueller, realer politischer Problemlagen vernachlässigt oder in einem abstrakten theoretischen Rahmen betrachtet. Realitätsnahe Problemuntersuchungen sind Mangelware. Außer auf dem Nischensender Phoenix kommen Politikwissenschaftler zu akuten politischen Fragestellungen kaum zu Wort. Wo sind die Public Intellectuals?

Offenbar meiden viele Politikwissenschaftler öffentliche Stellungnahmen, da sie damit Gefahr laufen in ihrer Disziplin an Seriosität zu verlieren. Das kann sich wiederum negativ auf die Karriere auswirken. Endet dann der wissenschaftlich-universitäre Weg in einer Sackgasse, wird es schwer. Wer den Weg in die Wissenschaft eingeschlagen und jahrelang weiterverfolgt hat, hat es schwer sich in einem anderen Berufszweig zu etablieren. Ein immanentes Problem der politikwissenschaftlichen Ausbildung.

Viele hundert Studenten schließen jedes Jahr ein politikwissenschaftliches Studium ab. Selbstverständlich soll das Studium auf die wissenschaftliche Laufbahn vorbereiten. Allerdings braucht Deutschland nicht so viele Politikwissenschaftler in der Lehre und Forschung. Daher wäre es sinnvoll den Studenten mehr Praxis- und Berufsnähe ins Curriculum zu schreiben. Wo landet denn eine Vielzahl der Absolventen? Im Journalismus, als Berater oder in völlig fachfremden Gebieten. Mit den vielen Theorien kann ein Absolvent dann nicht mehr viel anfangen. Viel schwerer wiegt aber, dass an vielen Universitäten nur wenige Wochen Praktikum vorgesehen sind, an deren Ende ein vielleicht dreiseitiger Praktikumsbericht steht. Ein Praktikumssemester, mit entsprechenden praxisnahen Angeboten würde dem zukünftigen Absolventen und der Gesellschaft mehr nutzen, als zum x-ten Mal Max Weber zu analysieren und in einer Hausarbeit zu versuchen seine Ideen auf Biegen und Brechen auf heute zu übertragen.

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Markus Ruschke absolvierte sein Bachelor- und Masterstudium der Politik- und Rechtswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit dem Schwerpunkt auf Politische Systeme. Nach einem dreiviertel Jahr als Freelancer in der IT-Projektarbeit bei der Drägerwerk AG &Co. KGaA war er seit August 2014 Landesgeschäftsführer der Jungen Union Hamburg. Darüber hinaus ist Herr Ruschke seit 2013 regelmäßig als Seminar- und Tagungsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Bei elfnullelf kümmert er sich seit Mitte November 2016 um die gesundheitspolitischen Themen.