Facebook und das Zielgruppenproblem

Foto: Pixabay

Dieser Tage wird viel über Facebook und einer Unternehmung namens „Cambridge Analytica“ berichtet. Kurz vor der Umsetzung der sogenannten Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auch in Deutschland Ende Mai liegen die Datennerven blank. Der „Datenskandal“, der Facebook gerade vermeintlich erschüttert, ist aber bei näherem Hinsehen gar kein Fehler im bestehenden System. Die Werbemaschine Facebook ist erst durch die Verbindung zu politischen Entscheidungen (Beeinflussung von Wahlen) eine explosive Mischung geworden. Ähnlich wie in der Chemie, wenn zwei reaktionsfreudige Stoffe so lange friedlich sind, bis Sauerstoff hinzukommt – dann macht`s peng! 

Das Netzwerk Facbook hat seine Existenz auf das Prinzip Werbung multipliziert mit Reichweite aufgebaut. Wer Werbung schaltet, ist willkommen. Wann werbe ich am erfolgreichsten? Richtig, wenn die Zielgruppe glasklar definiert ist. Facebook hat mit seinem System der klugen Datenauswertung quasi die Gießkanne abgeschafft; für Werbetreibende ein Traum. Mit seinem cleveren Belohnungssystem für Werbung hält Facebook die User doppelt auf der Plattform und erfährt von ihnen nützliche Informationen, die wiederum auf noch genauerer Zielgruppendefinitionen einzahlen. So dreht sich das Karussell immer schneller. Diesen Punkt erklärt Ben Scott im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sehr schön. Volker Oppmann, CEO von Mojoreads.com erkennt die Wurzel des Übels genau in dieser Art Aufmerksamkeitsökonomie, wie er es nennt.

Wenn nun Werbung für Konsumgüter mit politischer Werbung in einen Topf geschmissen wird, wo bedauerlicherweise selbst versierte Zeitgenossen keinen Unterschied mehr erkennen, führt es genau in die Falle, in der sich alle zusammen mit Facebook gerade befinden. Dass es sich hier aber weniger um einen Datenskandal im klassischen Sinne handelt – der ein Systemproblem voraussetzen würde – erläutert Thomas Hutter sehr anschaulich. Er spricht daher konsequenterweise von einer Datenveruntreuung (durch CA) und nicht von einer Datenschutzverletzung.

Machen wir uns nichts vor. Wir leben in mehr und mehr datengetriebenen Ökonomien. Die Digitalisierung, die alle predigen, hat genau dieses zum Gegenstand! Die Bringschuld bei Facebook z.B. liegt in der klareren Abgrenzung von Werbung – beispielsweise für Möbel – zur politischen Beeinflussung – beispielsweise „vote for Trump“. Die gesellschaftliche Holschuld liegt aber genauso beim Thema Bildung und Medienkompetenz. Wenn ich selbst nicht einzuschätzen vermag, ob mich jemand informieren oder manipulieren will, liegt das Problem tiefer. Regulierung hilft hier nur bedingt weiter. Kein Staat und auch nicht die ideelle Weltgemeinschaft kann hier kurzfristig ein absolut verbindliches Regelwerk erlassen. Das Internet abzuschaffen, auf dessen Technologie Medien wie Facebook laufen, dürfte gleich gar keine Option sein. Auch wenn Richard David Precht davon spricht, dass man die Welt nicht vom Nutzer her verändern könne.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Von August 2013 bis April 2018 habe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter geführt. Seit Mai 2018 ist Fabian Haun gleichberechtigter Partner.

Privacy Preference Center