Digitalisierung ist Wissensmanagement

Foto: Pixabay
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Digitalisierung – ein großes Wort spricht sich gelassen aus. Alle reden davon, aber zu oft mündet es im Verständnis, dass man mobile Bild-Telefonie hat und einen fetten Breitbandanschluss im mecklenburgischen Dorf. Okay, das ist auch Teil der digitalen Welt – ein kleiner Teil. Wenn man sich den Prozess der „Digitalisierung“ vor Augen hält, kommt man rasch zu dem Ergebnis, dass es ein Weg ist, vorhandene Fakten – noch gar nicht unbedingt „Wissen“ – zu organisieren, also zu managen.

Wir sammeln Daten wie verrückt. Oder besser nicht wir, sondern diejenigen, die den Prozess des Wissensmagements via Digitalisierung seit Jahren betreiben – Google & Co. Die Daten oder Fakten an sich sind zu nichts nütze und die meisten von uns könnten mit ihnen nichts anfangen. Maschinelles Handeln, das Abarbeiten von Millionen und Milliarden von Prozessschritten binnen weniger Sekunden machen „tote“ Daten wertvoll. Wenn also das Wissen intelligent gemanagt und damit verknüpft wird.

Gute Beispiele hierfür gibt es zu Hauf: Mitfahrgelegenheiten. Jeder will irgendwo hin. Beiden Seiten die Wünsche – das Fahrtziel und das Fahrtangebot – auf Augenhöhe und in hoher Zahl zugänglich zu machen, dafür braucht es digitale Prozesse. Vor 25 Jahren musste man noch einen Aushang ans Schwarze Brett in der Uni kleben. Ein weiteres Beispiel wäre die patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung (PAV). Viele Prozessbeteiligte wissen etwas. Der Arzt kennt das Rezept, der Apotheker auch, der Patient weiß ungefähr, was er hat und wofür er Medikamente benötigt. Damit aber alles wie am Schnürchen läuft – von der Verschreibung bis zur adhärenten Einnahme – braucht es digitale „Wissensmanager“. Das Ergebnis ist eine bessere Versorgung der Patienten, die unmittelbar auf die Arzneimitteltherapiesicherheit einzahlt.

Oft fehlt es am Grundverständis des Wesens der Digitalisierung. Das lässt Raum für diffuse Ängste und Spekulationen über Dinge, die es entweder nicht gibt oder die gar nicht dazu gehören. Oder aber es mündet eben in den vielzitierten Breitbandanschluss, den manch einer für den Inbegriff der Digitalisierung hält.

Eine neue Bundesregierung würde vielen Missverständnissen vorbeugen, wenn sie ernsthaft ein Ministerium für Digitalisierung und damit Wissensmanagement aufbauen würde. Die Baustellen sind quasi unendlich groß und vielfältig. Mit einem koordinierten, strategischen Vorgehen, das vielleicht auch mal einen Schritt weitergeht als geplant, könnte man wahrlich viel erreichen.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.