Brauchen wir die NATO noch?

No-NATOWas haben Captain America und Ursula von der Leyen dieser Tage gemeinsam? Richtig, sowohl Captain America als auch Ursula von der Leyen verteidigen mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht die Interessen der US-amerikanischen Regierung. Captain America hat dafür einen Schild zur Verfügung und wurde mit Superkräften ausgestattet, die ihn nahezu unbesiegbar machen. Ursula von der Leyen hat ebenfalls einen Schutzschild: die NATO –  ein militärisches Bündnis von 28 europäischen und nordamerikanischen Staaten, das 1949 ins Leben gerufen wurde, mit dem Ziel, einen sowjetischen Angriff abzuwehren und den Kommunismus in Europa zurückzudrängen.

Ende 1991 war die Sowjetunion aufgelöst und mit ihr die Gefahr eines sowjetischen Angriffs auf die NATO-Verbündeten. Der Kommunismus war besiegt. Europa hatte keine Feinde mehr – so scheint es. Doch die NATO sollte weitere 65 Jahre existieren und die USA denken bis heute nicht daran, das Militärbündnis aufzulösen. Grund dafür durften in erster Linie die Anschläge vom 11. September sein, die die Existenz der NATO in den Augen der USA und seiner Bündnispartner rechtfertigen. Seit der Krise in der Ukraine, hat die NATO allerdings einen weiteren Feind: Gemeint ist Wladimir Putin, der mittlerweile von den Mainstream-Medien synonym für Russland, mit seinen 143 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 17 000 km2, verwendet wird. Eigentlich schade, dass ein so mächtiges Land, auf einen einzigen Mann reduziert wird, der für so vieles in den letzten Monaten verantwortlich gemacht wurde. Mal ehrlich, der Mainstream scheint über Putin mehr zu wissen, als Putin über sich selbst weiß. Und der westliche Mainstream bietet ihm so viel Raum zur Selbstinszenierung, dass man das Gefühl hat, man habe es mit einer Art Gottheit zu tun, die im Osten Europas ihr Unwesen treibt und die Apokalypse vorbereitet.

Aber zurück zur NATO: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat im März, unmittelbar nach dem Übergang der Halbinsel Krim zur Russischen Föderation, die NATO um Hilfe gebeten:  Man möge doch, so von der Leyen, die NATO-Präsenz an der osteuropäischen Grenze verstärken, falls Putin dort einmarschiere. Ursula von der Leyen spricht hier unmissverständlich von Angriff, von Krieg und von der Verteidigung der westlichen Interessen in Osteuropa. Aber was bitte, so frage ich, hat die NATO überhaupt in Osteuropa verloren? Warum wird dieses – mittlerweile- obsolete Bündnis erweitert und weiterhin als Schutzschild benutzt? Gilt die NATO überhaupt dem Schutz?

Alle osteuropäischen Länder hätten Angst vor Putin, das geht aus einer Reihe von Presseberichten hervor. Auch viele Mitglieder im Bundestag berichten von der Angst ihrer osteuropäischen Besucher, der Kalte Krieg wäre zurück. Und da müsse die NATO etwas tun, zur Not auch militärisch eingreifen und die Länder vor dem Russen schützen. Ist das berechtigt? Sind wir einer permanenten Gefahr ausgesetzt oder spielt man nur mit unserer Angst und nutzt sie für die Rechtfertigung eines militärischen Angriffs?

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass der böse Russe, über den dieser Tage so oft in den Medien berichtet und im Bundestag debattiert wird, auch hier in Deutschland die Geschehnisse mitverfolgt und es bestimmt nicht gern sieht, dass die deutsche Politik Doppeldeutigkeit im Umgang mit Russland an den Tag legt. Einem Land, das z. B. für viele Russlanddeutsche jahrelang Heimat gewesen ist und wahrscheinlich im Herzen bleiben wird. Und es ist lobenswert, dass sich immer mehr, besonders junge Menschen finden, die diese Doppeldeutigkeit erkannt haben und gegen die sie im Netz und auf der Straße protestieren. Und das hat nichts mit Radikalismus zu tun. Es hat etwas mit Demokratie zu tun, zu sagen, dass wir uns nicht für einen Krieg manipulieren lassen!

Jawohl, in Europa wird ein Krieg angezettelt, 100 Jahre nachdem der erste begann. Und schuld daran ist die NATO, mit ihrer verdeckten Identität als Angriffsbündnis. Daher ist es wirklich unklug militärische Hetze zu verbreiten und Krieg nahezu zu provozieren, noch bevor man darüber nachgedacht hat, auf diplomatischem Wege die Annäherung zu Russland zu suchen.

Wie wird sich die Nachwelt an uns erinnern, sagen wir in den nächsten 100 Jahren? Als die Unfähigen, die aus der Geschichte nichts gelernt und einen Krieg durch eigene Dummheit provoziert haben?

Zu dieser Generation möchte ich nicht gehören und ich wünsche mir endlich eine sachliche Debatte. Wir brauchen keinen Krieg in Europa und die NATO brauchen wir auch nicht! Wir müssen uns nicht verteidigen, wenn wir miteinander kooperieren können.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.