„Political Correctness“ lenkt vom Wesentlichen ab

Die Deutschen können es anscheinend nicht lassen. Kaum hat das neue Jahr begonnen müssen sie beweisen, wie politisch korrekt sie sind. Da schreibt ein Alexander Dobrindt einen Gastbeitrag und fordert eine konservative Revolution und schon ist er da, der #Aufschrei. Auch der Europapolitiker Manfred Weber bekommt, obwohl er es gut gemeint hat, weil er den Begriff „finale Lösung“ im Zusammenhang mit der Fluchtproblematik verwendet hat, stante pede eine gewaschene Standpauke in Sachen „Political Correctness“.

Political CorrectnessDoch was ist mit den wesentlichen politischen Dingen, die uns beschäftigen sollten?

Es beginnen nun erneut Sondierungsgespräche in Berlin, bei denen es um weitaus wichtigere Dinge gehen sollte. Das Thema Digitalisierung taucht bisher, bei den Gesprächen rund um die Neuauflage einer #GroKo wenn überhaupt nur am Rande auf. Dabei geht es hier um ungemein wichtige Weichenstellungen für die soziale Gerechtigkeit, den Wohlstand, ja um die Zukunft unseres Landes.

Arbeit und Rente

Nehmen wir zum Beispiel die Themen Arbeit und Rente: Die Digitalisierung bietet Unternehmern und Arbeitnehmern zahlreiche Vorteile. Arbeit wird zum Beispiel immer mobiler und flexibler. Es wird bald kaum noch Bereiche geben, in denen Arbeitnehmer nicht von dort aus arbeiten können, wo und wann sie wollen. Auch das Modell, dass ein Arbeitnehmer nur für ein Unternehmen arbeitet, wird bald nicht mehr die Regel sein. Beide Seiten werden davon profitieren. Doch dafür muss das Arbeitsrecht, das Steuerrecht und weitere Gesetze dringend modernisiert werden. Zwischen Selbständigkeit und Angestelltenverhältnissen braucht es künftig fließende Übergänge.

In Sachen Rente ist eine umfassende Rentenreform unausweichlich, die über das Jahr 2030 hinausgeht, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Genration in Rente gegangen sind. Auch hier sind eine Modernisierung und mehr Flexibilität gefragt, die der künftigen Lebenswirklichkeit gerecht werden. Die Finanzierung des Rentensystems immer weniger Beitragszahlern der Generation Y und den kommenden Generationen aufzubürden kann nicht die Lösung sein.

Unabhängig davon, ob in den kommenden Wochen eine neue Regierung zustande kommt, eines dürfte klar sein: Angesichts dieser Herausforderung sind „Political Correctness“-Debatten reine Nebensächlichkeiten.

Fabian Haun war als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag über drei Jahre für ein breites Themenspektrum zuständig, das von der Innenpolitik, über digitale Agenda, Arbeitsmarkt, Energie, Verkehr und Infrastruktur bis hin zur Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik reichte. Während seines Studiums der Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft in Augsburg und Jena arbeitete er als Projektkoordinator und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Einrichtungen und Verbänden. Bei elfnullelf betreut er vor allem die Themenschwerpunkte Digitales, Planen/Bauen, Mobilität und Konsumgüter.

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