Wir schaffen das!

CC 2.0 Wolfgang Stief
CC 2.0 Wolfgang Stief

Was für ein politisches Statement der Bundeskanzlerin zu Beginn der Woche! Das Thema Aufnahme und Unterbringung von Menschen, die in Not zu uns kommen, beherrschte auch die Runde am Morgen mit Architekten- und Planerorganisationen in Berlin: Der Herbst naht und der Winter steht vor der Tür. Neben Trinken/Essen und Kleidung ist die Wohnung das drittwichtigste Grundbedürfnis des Menschen. Wer kann Wohnungen herrichten oder neu bauen? Richtig, nicht die Politik, sondern diejenigen, die es gelernt haben: Architekten, Ingenieure, Planer. Die Politik muss aber die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – doch da fangen die Probleme an.Die deutsche Bürokratie ist gründlich und ihre Mühlen mahlen zwar stetig, aber auch nicht rasant schnell. Das beginnt mit der Registrierung von Zufluchtsuchenden, den derzeit noch elend langen Asylverfahren und endet in Vorschriften wie Bauordnungen, die ein halbjähriges Genehmigungsverfahren nach sich ziehen. Es klingt fast unmöglich, aber Entscheidungen für das Machen (Erstellen/Umbauen von Wohnraum) werden binnen Tagen benötigt. Denn der materielle Vorgang des Bauens nimmt natürlicherweise auch noch ein bisschen Zeit in Anspruch. Es geht nicht darum, unser Land über Nacht zur vorschriftenfreien Zone zu erklären, aber die Diskussion dieser Tage um die unbedingte Einhaltung der EnEV-Standards (Energie-Einsparverordnung) zeigt auf, was die „neue Flexibilität“ bedeutet: Die einen werfen den anderen vor, Profit aus der Situation zu schlagen und jetzt mal flux ohne klimagünstige Vorschriften bauen zu wollen.

Es ist aber auch Fakt, dass rasch gebaut werden muss – und das nicht nur „provisorisch“ per Container-Dorf, sondern so solide und dauerhaft wie möglich. Schnell und solide wäre z.B. die Holzbauweise. Denn: Die Wohnungsnot für die Flüchtlinge zeigt uns ein Problem auf, das wir ohnehin schon seit einiger Zeit haben – Wohnungsknappheit insbesondere im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Eine aktuelle Studie spricht von 400.000 Wohnungen pro Jahr bis 2020, die benötigt werden. Insgesamt fehlten lt. Eduard-Pestel-Institut sogar 4 Mio. Sozialwohnungen in Deutschland! Das brisante an dem Thema: Die meisten Flüchtlinge konkurrieren mit den sozial Schwächergestellten bei uns – und zwar nicht nur bei den Wohnungen, sondern auch bei der Bildung, Ausbildung, Arbeitsplätzen u.s.w. Im Prinzip müssten diese Gruppen die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Die „Flüchtlingskrise“ offenbart die ganze Misere zumindest im Wohnungsmarkt. Der Handlungsdruck ist also so groß wie nie, wovon wiederum alle Gruppen – so die Hoffnung – am Ende einen Nutzen haben.

Aber kein Problem ohne die notwendige politische Brisanz. Dass „wir das schaffen„, steht im Grunde ausser Frage. Wichtig ist jetzt nur die Geschwindigkeit. Wie bereits erwähnt, ist der Herbst nah und dem folgt bekanntlich der Winter. Schnell und dennoch nachhaltig bauen, das sollte deutsche Ingenieure, Architekten, Planer und Bauschaffende nicht vor unlösbare Probleme stellen – wenn Politik und Administration ihrerseits den Weg bahnen.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.