Wenn`s zum Himmel stinkt – Massentierhaltung stoppen!

(c) Stefan Hoeft
(c) Stefan Hoeft

Am Freitagabend hat 3sat eine Reportage mit dem Titel „Der Schweinebaron“ ausgestrahlt. Richtig, es geht um Massentierhaltung – insbesondere in Ostdeutschland. U.a. in der Altmark und in Mecklenburg baut ein holländischer Schweinemäster riesige Anlagen – teils offenbar illegal – für zehntausende von Tieren. Leider darf der Sender den Beitrag online nicht mehr vorhalten, aber frontal21 hatte im Juni 2013 ebenfalls über Adriaan Straathof („Begeisterung für Ferkel“) berichtet.

Die Massentierhaltung ist ein Fluch. Wir alle tragen daran Schuld – als Verbraucher, die wir kaum etwas für Lebensmittel (gilt zum Teil auch für minderwertigere Nahrungsmittel) ausgeben wollen. Zu dieser Problematik hatte ich vor gut einem Jahr geschrieben, als der „Pferdefleischskandal“ aktuell war.Unsere Gesellschaft muss sich darüber klar werden, dass Überfluss im Angebot auch Masse in der Produktion bedeutet. Das rechtfertigt natürlich nicht, dass auf der anderen Seite Genehmigungsverfahren missachtet, Gesetze gebrochen und Mindeststandards nicht eingehalten werden. Dennoch bleibt im Kern richtig, dass sich am Umgang mit der Kreatur – dem Schoßhund und mancher Hausratte geht es besser als den sog. Nutztieren – nur dann etwas ändert, wenn die Menschen wissen und verstehen, dass insbesondere Fleisch nicht aus dem Kühlregal kommt, sondern einem anderen Leben abgerungen wurde. Leider oder zum Glück erfolgt das heute nicht mehr so mühsam wie früher, aber genau da liegt das Problem: Wenn ich lediglich in den Supermarkt gehen muss, dann kann ich das nur halb aufgegessene Schnitzel rasch wegwerfen. Bevor ich es aufwärme oder kalt esse, hole ich mir eben ein neues – ist ja genug da. Nirgendwo sonst hat der Kapitalismus so ekelige Ausprägungen wie in der industriealisierten Landwirtschaft, wenn lebende Tiere ins Spiel kommen. Der sogenannte Strukturwandel hin zu immer größeren Einheiten, damit alles möglichst effizient ist, geht auf Kosten der Kreatur – ganz einfach. Es muss deshalb aber auch nicht immer alles schlecht laufen, das ist klar. Nur meistens tut es das. Die Politik versucht einen Balanceakt, der ihr nicht gelingen will: Tierschutz und Verbraucherschutz auf der einen Seite und (Massen-)Produktion auf der anderen Seite – schon allein, damit die Preise nicht durch die Decke schießen. Da schließt sich auch wieder der Kreis zum Verbraucher: 10 Cent mehr für einen Liter Milch? Geht gar nicht!

Nur leider wird politisches Engagement nicht glaubwürdiger, wenn ein völlig überforderter Mecklenburgischer Landwirtschaftsminister wie im o.g. Filmbeitrag geschehen die Sorgen der Menschen unqualifiziert abschmettert. Die Emissionen der Massentierhaltung, die Unmengen an Gülle, der Energie- und Wasserverbrauch sind keine Kleinigkeiten. Solange die Gesellschaft, die Politik und die Agrarwirtschaft keinen wirklich tragfähigen Konsens darüber finden, wie man nachhaltig und ethisch unbedenklich produziert und verbraucht, solange werden wir es auch immer wieder mit Skandalen zu tun haben, mit Umweltverschmutzung, Behördentrickserei und stinkenden Güllegruben. Es mag kein Allheilmittel sein, aber eine gewisse Rückbesinnung auf die mittelständisch geprägte bäuerliche Landwirtschaft könnte ein Teil der Lösung sein. Allerdings auch nur, wenn die richtigen Anreize gesetzt werden. Wenn beispielsweise die EU-Subventionen an denjenigen vorbeigehen, der keine 1.000 Hektar Ackerland und keine 10.000 Schweine oder 500 Kühe im Stall hat, dann werden die Agrarfabriken auch kein Interesse daran haben, den kleinen mehr verträgliche Produktion zuzugestehen.

Die Wurst als Schwein zu formen, damit es den lieben Kleinen noch besser schmecktSchweinchenwurst und sie noch weniger vom Hintergrund der Herkunft erfahren, ist hoffentlich das Ende eines ethisch fragwürdigen Umgangs mit dem Leben. Da ist die Idee, der Wurst-Dose ein „Gesicht“ zu geben, ganz gewiss der bessere Weg.

Die Apologeten der „Masse statt Klasse“ versuchen den anderen einzureden, dass eine Renaissance des Landwirtschaftens in kleineren Einheiten dazu führe, dass ein Land wie Deutschland dann seine Lebens-/Nahrungsmittel verstärkt importieren muss und die eigenen Bauern lediglich der Landschaftspflege nachgehen. Was wäre in einer arbeitsteiligen Welt so schlimm daran? Deutschland ist schon lange kein Agrarland mehr. Ein Argument kann tatsächlich sein, dass Standards im Exportland noch weniger eingehalten werden. Ein landschaftsgärtnernder Landwirt, der für eben solche Arbeiten und eine extensive Wirtschaftsweise bezahlt wird, ist aber mit Sicherheit ein größerer Beitrag zur Nachhaltigkeit als einer, der aus systemimmanenten Effizienzgründen immer noch mehr Lebendfleisch auf einen Quadratmeter unterbringt.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.