Wenn zu viel Hintergrund plötzlich im Vordergrund steht

Hintergrund_VordergrundIm Zeitalter des Buhlens um mediale (weil größere Verbreitung) Aufmerksamkeit ist über die Zeit ein Phänomen zu beobachten: Jeder möchte den bestmöglichen Multiplikatoren, also in der Regel den Journalisten, bestmögliche „Insider“-Informationen liefern, damit am Ende nur Bestmögliches über sie oder ihn zu lesen steht oder gesendet wird. Bis zu einem gewissen Grat hat das die Medialen und die Medialisierten über Jahre hinweg eng zusammengeschweißt. Die einen lebten gut von und mit den anderen. So konnten z.B. Politiker im früheren „Nichtechtzeit-Leben“ geduldig ihr Futter sammeln und wenn dann die Informationen wirklich reif waren, lud man die Multiplikatoren und Redaktionsvertreter seines Vertrauens zu einer Gesprächsrunde „Unter drei“ ein. In dem Maße wie nun die Geschwindigkeit der medialen Berichterstattung – insbesondere angefeuert durch die Möglichkeiten des Internets – zunahm, nahm die Frequenz von vertraulichen Gesprächen ebenfalls zu und deren Inhalt drastisch ab.Diese sich schon seit einer Reihe von Jahren abzeichnende Entwicklung beschreibt der SPIEGEL-Redakteur Markus Feldenkirchen in seiner Wahl-Kolumne (SPIEGEL 30/2013, S. 13) am Beispiel der SPD treffend und nennt die Situation im Grunde schizophren: Im Vordergrund wird „volksnah“ bei Bier und mit hochgekrämpelten Ärmeln Eintracht geschauspielert. Beim Hintergrundgespräch allerdings, gönnt der eine dem anderen nicht die Butter auf dem Brot. Zugegeben, das Beispiel kann auch für Parteien anderer Couleur gelten. Allerdings macht es sich die SPD derzeit auch besonders schwer. Eine Troika, die noch nie zusammen etwas gewonnen hat, ist schwer unter einen Hut zu bringen. Das musste die SPD 1994 auch schon einmal erfahren (Scharping, Schröder und Lafontaine). Aber das ist der eine, vordergründige Aspekt.

Viel destruktiver dürfte der langfristige Schaden gegenüber den Medienleuten selbst sein. Jemanden im Hintergrund ins Vertrauen zu ziehen, bedeutet ja auch eine Wertschätzung und das schweißt u.U. mehr zusammen als hin und wieder zu feiern und ein Glas zu heben. Wenn nun aber inflationäre Hintergrundgespräche, wo in der Sache nichts gesagt, sondern einfach nur schmutzige Wäsche gewaschen wird, die Aufmerksamkeit der Multiplikatoren verschleißen, dann muss man sich in der Konsequenz nicht wundern, wenn diese Berichterstattung einen aus dem Tal der Tränen nicht rauszuholen vermag. Feldenkrichen fordert nur einen „Tick mehr Aufrichtigkeit“. Das lässt sich verstärken: Mehr Authentizität und vor allem mehr Zurückhaltung wären im gesamten Politikbetrieb erforderlich. Wer nur der vermeintlichen schnellen Schlagzeile nachläuft, wird rasch feststellen, dass das Hamsterrad rund ist.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.