Wenn Wasser krank macht | Ronja von der Heydt

John Jones | License: CC by 2.0
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Flint, eine ehemals boomende Stadt im US-Bundesstaat Michigan, erfährt im 21. Jahrhundert einen evolutionären Tiefpunkt. Nach einem goldenen Industriezeitalter während der Fahrzeugindustrie, steht die Stadt nun seit ein paar Jahren vor dem Bankrott. Eine hohe Arbeitslosenquote, unterstützt von hoher Armut und Kriminalität, führen zu vielen sozialpolitischen Problemen. Mit der Stadt sollte es wieder aufwärts gehen; aber wie? Der republikanische Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, verordnete einen drastischen Sparplan. Es wurde ein Verwalter eingesetzt und der Haushalt der Stadt wurde übernommen, doch was folgte, brachte keines Wegs eine Besserung!

Aus Kostengründen beschloss die Stadt, das Trinkwasser nicht mehr aus dem weitentfernten Detroit, sondern aus dem Fluss direkt in Flint zu beziehen. Das war vor knapp zwei Jahren. Seitdem gingen bei der Stadt nicht nur von Bürgern, sondern auch von Ärzten viele Beschwerden über braunes Wasser, Haarausfall und Hautausschläge o.ä. ein. Die Stadt Flint beteuerte dabei immer wieder den unbedenklichen Genuss des „Trinkwassers“ aus dem Hahn. Nach eineinhalb Jahren konnte ein Forschungsteam, von besorgten Bürgern engagiert, Blei in dem Wasserhahnwasser nachweisen. Das verunreinigte Wasser aus dem Flint-Fluss wurde nicht richtig aufbereitet und hat über die lange Zeit das Blei in den alten Wasserrohren ausgespült. Erst nach dieser Entdeckung handelten die Verantwortlichen. Ein Notstand wurde ausgerufen und die Bewohner in Flint wurden dazu angehalten das Wasser aus dem Wasserhahn nicht mehr zu benutzen. Zu diesem Zeitpunkt war der Bleiwert im Blut der ein- bis fünfjährigen drei Mal höher als normal. Blei hat, vor allem bei Kindern, schwere Einschränkungen der Entwicklung zur Folge und hat auch auf folgende Generationen Auswirkungen. Die kleinen Bewohner Flints müssen sich nun regelmäßigen Bluttests unterziehen.

Im vergangenen Oktober dann wurde das Wassernetz doch wieder an die Trinkwasserversorgung von Detroit angeschlossen. Dennoch befindet sich bis heute das Schwermetall im Leitungswasser. Die zuvor von dem verunreinigten Wasser angerichteten Schäden an den Wasserleitungen haben nun zur Folge, dass selbst sauberes Wasser verschmutzt wird. Nach dem Super Gau der Schwermetallvergiftung der 10.000 Einwohner kommen nun Kosten von ca. 1,5 Milliarden US Dollar auf die Stadt zu, um die Trinkwasserversorgung zu sanieren.

Die Stadt wird nun von der Bundesagentur für Katastrophenschutz (FEMA) unterstützt, die Trinkwasserflaschen zur Verfügung stellt. Mitte Januar schaltete sich auch US Präsident Obama ein. Er äußerte sich entsetzt über den Zustand in Flint und betonte, dass es keine Alternative sei an der Grundversorgung des Volkes zu sparen. Bis jetzt gab es für die Bewohner von Flint lediglich eine Entschuldigung ihres Gouverneurs. Stimmen, die für einen Rücktritt plädieren, werden immer lauter. Zu Recht, denn ist die Grundversorgung nicht mehr gesichert, hat der Staat seine prioritäre Aufgabe verfehlt.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.