Wenn Mammon Wohnungen bauen soll

BBWB
Gestern hat es zum dritten Mal getagt, das Bündnis für Bezahlbares Wohnen und Bauen, kurz #bbwb – eingeladen vom zuständigen Ministerium. Das @BMUB bittet zweimal im Jahr bauschaffende Verbände und Kammern der Wohnungswirtschaft, die Bündnispartner, an den Tisch, um Maßnahmen für den bezahlbaren sog. sozialen Wohnungsbau zu diskutieren. Die Not ist einigermaßen groß. Selbst das Ministerium spricht schon von einem strukturellen Bedarf von 350.000 Wohnungen pro Jahr. Einige Branchenverbände hatten 2015 das Pestel-Institut mit einer Studie beauftragt. Da kam man auf einen Bedarf von 400.000 Wohnungen jährlich in den Jahren bis 2020. Da war/ist das Thema Unterbringung von Schutzsuchenden Flüchtlingen noch gar nicht berücksichtigt. Was sind die größten Haken und Ösen bei dem Thema?

Zu allererst muss wohl das „billige“ Geld genannt werden. Sind die Zinsen an den Finanzmärkten so chronisch niedrig wie zurzeit, suchen die Investoren nach Alternativen. Statt Gold wird eben „Betongold“ gekauft. Da jedoch oftmals nicht der Sozialhilfeempfänger über zu viel Geld verfügt, was er rentierlich anlegen muss, kommen für ihn auch weniger die überwiegend hochpreisigen Luxusappartements in den Ballungsräumen in Frage.

Wie kommt es aber, dass auf größtenteils städtischem Grund in Innenstadtlagen vorwiegend im Luxus-Segment und weniger im sozialen Wohnungsbau errichtet wird? Das hat nicht wenig mit den leeren öffentlichen Kassen zu tun. Filetgrundstücke verkaufen die Kommunen gerne zu gepfefferten Preisen. Dass ein Grundstücksinvestor und Projektentwickler hohe Quadratmeterpreise nicht aus caritativen Gründen bezahlt, liegt auf der Hand. Er will seine Investition wieder reinholen. Das schafft er in der Regel über Verkäufe pro Quadratmeter Wohnung ab 5.000 € aufwärts.

Foto: Olof Senestam - CC Lizenz 2.0  Gebäude: Turning Torso Malmö, Wohn- u. Geschäftshaus
Foto: Olof SenestamCC Lizenz 2.0 Gebäude: Turning Torso Malmö, Wohn- u. Geschäftshaus

Hinzu kommt ein Punkt, wo viele Experten mittlerweile sagen, dass man gar nicht mehr günstig bauen kann. Energetische Auflagen werden fast im Jahresrhythmus verschärft. Hightech-Baumaterialien werden immer teurer und nicht zuletzt müssen aufwendige Bauten digital vorgeplant werden. Das alles kostet Geld, viel Geld, das sich am Ende im Quadratmeterpreis Wohnfläche widerspiegelt.

Ein Alternativvorschlag wurde von der TU Darmstadt entwickelt. Leider ist er aber derzeit (noch) nicht politisch mehrheitsfähig: Wohnraumschaffung durch rasche und relativ günstige Aufstockung. Der Bedarf an ca. 2 Mio. innerstädtischen Wohnungen könnte so gedeckt werden: kostengünstig, energieneutral, ohne zusätzliche Flächenversiegelung und baukulturell ansprechend.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.