Wenn dem Mob der Gauland durchgeht

Foto:quapan | License: CC by 2.0
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Viel wurde in den letzten Monaten debattiert: darüber, warum es in Deutschland eine Renaissance des Rechtspopulismus gibt, ob der Mob einfach nur in die Mitte gerückt ist und wie sich diese teils sehr radikalen Ansichten überhaupt so schnell verbreiten konnten.

Wie auch die Süddeutsche Zeitung längst festgestellt hat, ist nicht davon auszugehen, dass sich im Untergrund eine neue nationalistische Bewegung gegründet hat, sondern diese sich bislang parteipolitisch an anderer Stelle sortiert hat – mal mit mehr, mal mit weniger extremen Ansichten.

Besonders spannend ist jedoch zu beobachten, wie die neuen Populisten es immer wieder schaffen, sich im Gespräch zu halten. Ob es darum geht, im Zweifelsfall Flüchtlingsfrauen – die es trotz einer Vielzahl unmenschlicher Strapazen von Syrien bis an den (nur mal so: nicht mehr vorhandenen) deutschen Grenzzaun geflüchtet haben, nur um nie wieder Krieg miterleben zu müssen –  zu erschießen, um den nationalen Frieden zu wahren, oder ob Deutschland den besten Fußballverteidiger der Welt zum Nachbarn haben will oder nicht – immer wieder schaffen es die Spitzenpolitiker der AfD, mit abstrusen Diskussionen wochenlang für Schlagzeilen zu sorgen.

Ihren Meister dürften Petry, Gauland und Co. Sicherlich u.a. im US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gefunden haben, zu dessen Strategie es bislang gehörte, von Woche zu Woche immer polarisierende, bestimmte Gesellschaftsschichten ausgrenzende Aussagen zu treffen, um in seiner Zielgruppe ein „Wir vs. die anderen“-Setting zu schaffen.

Für diejenigen, die Trump verteufeln, aber behaupten, dies sei in Deutschland so nicht möglich, sei der Hinweis gegeben, dass die AfD exakt diese Strategie derzeit verfolgt:

  1. Äußere dich kontrovers über ein tagesaktuelles Thema und bringe es mit Pseudopatriotismus in Verbindung
  2. Warte auf die empörten Reaktionen der Medienlandschaft, Gesellschaft und Twitter
  3. Gib’ Dich ahnungslos
  4. Wiederhole Schritt 1

Diese Herangehensweise erweist sich als sehr kostengünstig, lebt sie schließlich davon, dass auch die Gegenposition sich zu vehement von der eigenen Position distanziert, dass sie diese gleich kräftig weiterverbreitet, um Kontext zu schaffen. So viel Viralität mit den klassischen Mitteln der PR-Arbeit zu erzeugen, würde die meisten Budgets sprengen.

Derzeit scheint sich diese sehr einfache Strategie in vielen Ländern zu bewähren, auch wenn die Gründe für den Erfolg in den jeweiligen Ländern in der Sache natürlich stärker differenziert werden müssen. Auch ist es zu einfach, zu behaupten, dass nur einfach gestrickte Personen für Populismus anfällig sind. Eher ist es so, dass die zweifelhaften Botschaften einfach und von einem gewissen Weltbild ausgehend schlüssig zu sein scheinen, welches sowohl das Establishment als auch das Fremde als Feind auserkoren hat.

Häufig genug haben sich derartige Bewegungen im Laufe der Zeit selbst besiegt oder sind im Sande verlaufen, weil sie lediglich für einen zeitlich begrenzten Trend standen. Spannend und turbulent bleiben die kommenden Monate vor den Bundestags- und etlichen Landtagswahlen allemal. Vielleicht schafft es bis dahin ja doch noch wenigstens eine der Parteien, mit konstruktiven Lösungsvorschlägen und ernsthaften Themen von sich Reden zu machen und die gesellschaftliche Debatte zu anständig zu führen – fiktive Nachbarschaftsdebatten bringen jedenfalls niemanden weiter.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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