Warum die Bundesländer von der Bundesliga profitieren und die Kosten für Polizeieinsätze übernehmen sollten

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Foto: Joachim Bomann/ CC license

Nach dem sensationellen Weltmeistertitel freuen sich Fußballfans in ganz Deutschland auf den Beginn der neuen Bundesliga-Saison. Leider interessieren sich einige „Fans“ weniger für das Spiel als für Randale. Zehntausende Polizisten sind aus diesem Grunde jedes Wochenende in ganz Deutschland unterwegs, um Schlägereien in den Stadien und drumherum zu unterbinden. Doch dieser Einsatz soll für die Fußballverbände- und vereine nun teuer werden.

Weil der Einsatz von Polizisten jährlich mehrere Millionen Euro kostet, wollen die Innenministerien von Nordrhein-Westfalen und Bremen nun eine Kostenbeteiligung der Deutschen Fußballliga (DFL) erwirken oder andernfalls einfach bedeutend weniger Polizisten zu den Spielen schicken. Argumentiert wird damit, dass DFB und DFL eine Gefährdung des öffentlichen Raumes mit der Durchführung von Fußballspielen in Kauf nehmen und dementsprechend Verantwortung tragen müssen. Würden keine Fußballspiele veranstaltet, gäbe es demnach angeblich keine Gewalt.

Was hierbei jedoch vergessen wird: es ist die oberste Aufgabe des Staates für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, und dieser Aufgabe muss er selbstverständlich auch am Rande von Fußballspielen in Form einer ausreichenden Zahl an Polizisten vor Ort nachkommen. Eine Inrechnungstellung für Polizeieinsätze würde jedoch automatisch die Frage nach sich ziehen, ob man sicherheitspolitische Fragen ökonomisieren darf und ob der Staat in seiner dann entstehenden Rolle als Marktteilnehmer sein Gewaltmonopol nicht sogar aufgeben müsste. Ohnehin müsste die Gesetzeslage hierzu erst einmal eindeutig geklärt bzw. geschaffen werden. Wird zwischen Einsätzen innerhalb und außerhalb des Stadions unterschieden oder nicht? Auch in diesem Fall wäre es nicht möglich, die Sicherheitsfrage gänzlich privaten Sicherheitsdienstleistern zu überlassen, da für die Sicherheit im öffentlichen Raum eindeutig der Staat verantwortlich ist.

Die Verbände und Vereine leisten ohnehin bereits jetzt nicht nur in Form von hohen Steuereinnahmen im Profibereich (u.a in Form von den viel kritisierten millionenschweren Spielertransfers) einen nicht unerheblichen Beitrag für die Finanzierung der Staatsaufgaben, sondern und vor allem in Form ihres Angebots im Freizeitbereich zur gesellschaftlichen Integration von Jung und Alt, und damit auch zur Vermeidung von Gewalt. Fußball gehört zu Deutschland genauso wie der Islam oder die Fähigkeit, die besten Autos der Welt zu bauen und muss dementsprechend von Seiten des Staates ausreichend gefördert und geschützt werden.

Die Befürworter einer Kostenpflicht für Fußballverbände in den beiden bislang betreffenden Bundesländern argumentieren bislang auf Stammtischniveau – und vermitteln den Eindruck, durch einen beherzten Griff in die prallgefüllten Taschen von König Fußball das eigene finanzpolitische Versagen ausbügeln zu wollen. Letztlich ist eine Beteiligung (in welcher Form auch immer) seitens der Fußballliga sicherlich diskutabel – aufgrund einer bislang fehlenden Rechtsgrundlage und einer nur oberflächlich geführten Argumentation ist der aktuelle Vorstoß jedoch nicht mehr als Populismus.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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