Wahlkreise mit der Summe 1.415

WahlkreiseFast bin ich geneigt, die werten Blog-Leser dieses kleine Rätsel allein lösen zu lassen. Welche Wahlkreise ergeben in ihrer Nummerierung addiert die Summe 1.415? Klingt etwas wie „0815“… Okay es erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Die Gesamtzahl der Wahlkreise für die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag am 22.9. ist auf 299 gesetzlich festgelegt. Damit kann es nicht direkt zu tun haben. Die Lösung: Es werden hier die Wahlkreise der Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden aller derzeit im Bundestag vertretenen Parteien betrachtet – CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP und LINKE. Das beginnt im Norden mit der Nummer 015 (Bundeskanzlerin Dr. Merkel) und endet im Süden bei 258 (Cem Özdemir in Stuttgart I). Bei diesen 11 Wahlkreisen gibt es freilich einige Besonderheiten.Eine sei gleich vorweg genannt: zwei Parteivorsitzende treten gar nicht für den Bundestag an. Das sind CSU-Chef Horst Seehofer und der Co-Chef der LINKEN, Bernd Riexinger. Riexinger hatte gleich bei seiner Wahl als Parteivorsitzender im Juni 2012 angekündigt, nicht für den Bundestag 2013 kandidieren zu wollen. Zu groß erschien ihm wohl die Aufgabe, eine innerlich zerrissene Partei zu einen. Dafür hat die LINKE dennoch zwei Führungskräfte im Rennen. Katja Kipping als Parteivorsitzende in Dresden I (159) und das „Schlachtross“ Dr. Gregor Gysi in Berlin-Treptow-Köpenick (084). Zu Seehofer wäre noch zu sagen, dass er insgesamt acht Mal in „seinem“ Wahlkreis Ingolstadt erfolgreich kandidiert hat. Obwohl Ministerpräsident, ist er aber derzeit kein MdL. Daher wurde „für ihn“ der neue Stimmkreis (in Bayern heißen die Wahlkreise Stimmkreise) geschaffen. Hier kann er gleich am kommenden Sonntag bei der bayerischen Landtagswahl unter Beweis stellen, ob seine Zugkraft (2005 holte er in Ingolstadt mit 65,9% der Erststimmen das zweitbeste Ergebnis bundesweit) noch anhält. Im Übrigen gilt das für alle Spitzenleute. Sie müssen nicht unbedingt in einem Wahlkreis nominiert sein und diesen auch gewinnen. Der „eigene“ Wahlkreis ist aber sozusagen das Tüpfelchen auf dem berühmten i. Da wir hier über Parteien mehr oder weniger alle ordentlich jenseits der Sperrminorität (5%) sprechen, ist das Spitzenpersonal über die Liste, also die Zweitstimme abgesichert. Apropos, wer jetzt glaubt, die Erststimme sei wichtiger, der irrt. Die Zweitstimme, also die Stimme, die die Partei bekommt, entscheidet über die Mehrheit im Parlament. Ihr entsprechend werden die Listen-Leute hinzu gerechnet. Ohne die Zweitstimme hätte z.B. die FDP derzeit keine Leute, die Grünen nur Christian Ströbele und die LINKE immerhin 18 Abgeordnete im Bundestag.

Zwei weitere Wahlkreise lohnen noch der näheren Betrachtung. Das ist zum einen Göttingen (053) und zum anderen Stuttgart I (258). In Göttingen tritt der Grüne Spitzenmann Jürgen Trittin an. Er dürfte seinem direkten Herausforderer von der SPD, dem derzeitigen 1. Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, aber kaum das Mandat streitig machen können. Schließlich sprechen wir bei den Grünen immer nur über ein Direktmandat und das hat Christian Ströbele in Berlin-Kreuzberg quasi gepachtet. Da hat ein anderer Grüner andere Ambitionen, dazu aber gleich mehr. Im Wahlkreis 053 besteht theoretisch allerdings eine seltene Chance – sollte rot-grün eine Mehrheit bekommen – nämlich, dass ihm dann zwei Bundesminister entstammen würden. Trtttin dürfte bei den Grünen gesetzt sein und Oppermann ist in Steinbrücks Kompetenzteam für den Bereich Innen zuständig. Zwei derzeit amtierende Ministerinnen haben ebenfalls etwas mit Göttingen zu tun – sie haben dort u.a. studiert (Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Ursula von der Leyen).

Ein Kandidat könnte tatsächlich den Ströbele-Nimbus als „Alleinherrscher“ unter den Grünen Wahlkreisgewinnern stürzen. Die Rede ist vom wiedererstarkten Cem Özdemir. Er tritt in Stuttgart I (258 – s.o.) gegen den CDU-Mann Dr. Stefan Kaufmann an, der 2009 fast fünf Punkte vor Özdemir lag. Özdemirs Ambitionen gehen dieses Mal sogar so weit, dass zwischen SPD und Grünen eine Absprache getroffen wurde: Die Grünen unterstützen im Stuttgarter Norden den SPD-Kandidaten und die SPD in Stuttgart I den Grünen Bundesvorsitzenden. Ob das aber der SPD-Frau Ute Vogt gefällt? Wer außer ihr weiß das schon… Noch ein Zahl (stammt aus der Süddeutschen): Insgesamt kandidieren 4.451 Menschen für den 18. Deutschen Bundestag.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.