Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern: Etablierte Arroganz

James Saper | License:  CC by 2.0
James Saper | License: CC by 2.0

Bereits einen Tag nach den Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern haben wir aus der Politik viele Antworten auf die üblichen Fragen, die sich nach einem Wahlabend ergeben, bekommen.

Ganz oben auf der Liste stand natürlich die Suche nach einer Erklärung für das starke Ergebnis der AfD (21%) und das schwache Abschneiden der etablierten Parteien, welches diesmal ohne Ausnahme eingetroffen ist.

Nebst den üblichen Standard-Floskeln, die das Phrasenschwein im Sport1-„Doppelpass“ auf Jahre füllen würden, gab es auch die eine oder andere Stimme, die sich fernab der kuscheligen „Wir müssen die Ergebnisse ernst nehmen und das als Auftrag verstehen“ äußern…

danielmacktweet

… und die Wahlergebnisse damit erklären, dass das Volk einfach dumm ist.

 

Genau diese Überheblichkeit, gepaart mit der ständigen Erwähnung und Distanzierung von der AfD ist einer der Hauptgründe, warum diese Protestpartei in den vergangenen Monaten so starke Ergebnisse erzielen konnte. Auch, wenn das Programm sich sehr polemisch liest und nicht allzu viele Lösungen darin stecken, so gibt die AfD eine klare (vermeintliche) Problemstellung auf und gibt sich als die Partei, welche die Sorgen der Bürger ernst nimmt. Dass der Bürger intellektuell unterentwickelt ist, wird dort eher nicht zu hören sein.

Ein weiterer Punkt ist das stete Distanzieren, ohne eine eigene klare und starke Botschaft zu nennen. Ein hervorragendes Beispiel gab Cem Özdemir unmittelbar im Interview nach der ersten Hochrechnung. In seinem Statement verkündete er, dass die Grünen sich auf sich und ihre Arbeit konzentrieren und die sich nicht darauf konzentrieren, die AfD zu thematisieren. Zwischen dieser Aussage und seinem letzten Wort fiel das Kürzel „AfD“ weitere vier Mal, ohne dass klar wurde, was die Grünen künftig auf den Tisch bringen wollen.

Wer Erfolg haben und die Masse ansprechen will, muss Aufmerksamkeit erzeugen. Es ist zum Heulen, wie viel Aufmerksamkeit das „Establishment“ der deutschen Parteienlandschaft der AfD zugesteht und sich hinterher fragend anschaut, warum diese ungebliebte Partei so gute Werte erzielen konnte. Anstatt gute Lösungen für die sicherlich nicht wenigen Probleme Mecklenburg-Vorpommerns einfach verständlich zu propagieren, hat es die AfD geschafft, die Flüchtlingsthematik in dem Bundesland wahlentscheidend zu gestalten, das bundesweit die wenigsten Flüchtlinge aufnimmt (ca. 3%). Dies allerdings mit einfachen Botschaften.

Letztlich muss und sollte man nicht d’accord mit den Worten von Daniel Mack gehen, der die Wähler in Mecklenburg-Vorpommern in seinem Tweet pauschal als dumm bezeichnet. Als Politiker sollte man sich allerdings die Frage stellen, ob man die Politik, die man vertreten möchte, im Wahlkampf genauso einfach erklärt hat, wie die Gründe für das nachfolgende Scheitern.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.