Von Drohnen und Robotern

SchaubildAm ersten Mai war es wieder einmal soweit: Landesweit brachten die Gewerkschaften die Interessen der Beschäftigten auf die Straße. Dabei ging es um weitaus mehr als um klassische Belange. Die Zukunft der Arbeit bricht an. Automatisierung und Digitalisierung der Arbeit bieten Deutschland mannigfaltigen Chancen. Wir benötigen eine gesellschaftliche Debatte über deren Umsetzung. Das spart langfristig Ressourcen und bildet ein belastbares Fundament. Spreepublik startet aus diesem Anlass eine Serie über die Regulierung neuer Technologien und deren Potenziale. Wir beginnen mit einigen Anmerkungen zum Thema Klein-Drohnen.

Wandel der Arbeitswelt

Wir erleben seit Jahren „[…]dass sich die Arbeitswelt der Zukunft durch Digitalisierung, Globalisierung und demografische Entwicklung rasant verändert. Auch diese Veränderungen werden keine Pause machen. Die Auswirkungen bekommen wir bereits heute zu spüren.“, so der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in seiner Mai-Rede.

Mit diesem Satz greift er einen Kristallisationspunkt auf. Digitalisierung und Automatisierung krempeln unsere Arbeitswelt um. Die Industrie berichtet über erste kollaborative Arbeitsplätze, der Maschinenbau meldet anlässlich der Hannover-Messe neue automatisierte Systeme, die eine parallele Arbeit von Mensch und Maschine ermöglichen. Industrie 4.0, das Internet der Dinge, wird zum geflügelten Wort der Wirtschafts- und Forschungspolitiker. Erste Pilotprojekte erproben den Einsatz von Klein-Drohnen für Logistikzwecke.

Hinter den technischen Innovationen von heute und den Einsatzmöglichkeiten von morgen verbergen sich soziale Fragen. Die technischen Neuerungen führen uns vor Augen, was für Umbrüche bevorstehen. Umbrüche, die Chancen und Widrigkeiten breithalten. Studien schätzen, dass Roboter und leistungsfähige Software in den Industriestaaten (langfristig) Millionen von Arbeitsplätzen ersetzen könnten. Die andere Seite der Medaille: Der erhöhte Maschineneinsatz fördert Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit und entlastet die Beschäftigten, deren Lebensarbeitszeit steigt.

Automatisierung und Digitalisierung werfen Fragen nach der Zukunft der Arbeit auf. Das betrifft den Wert der Arbeitskraft und Datenschutz ebenso wie die Frage nach Arbeitsschutz, Leistungsdruck oder Lebensarbeitszeit. Neben berechtigten technisch-regulativen Fragen müssen wir auch hierfür Antworten finden.

In der Rigaer Erklärung über die Zukunft der Luftfahrt vom 6. März 2015 gehen die EU-Staaten auf die Vorbehalte der Bevölkerung ein. Doch sie beziehen sich dabei auf technische Fragen wie Lärm-Emission, Sicherheit und Datenschutz.

Technische Regulierung steht am Anfang

Auf Drohnen jeglicher Art bezogen stehen vor allem technisch-regulatorische Issues im Fokus von Politik, Verbänden und Unternehmen:

  • Welche technischen Merkmale müssen Drohnen aufweisen (z.B. Sense and Avoid-Technologie, Strobe-Light)?
  • Welchen Flughöhe und Entfernung vom User ist vertretbar?
  • Wie ist mit selbstständig operierenden Systemen zu verfahren?
  • Wie sind der Versicherungsschutz sowie die Luftverkehrsregeln zu gestalten?
  • Wie schützen wir uns vor Missbrauch?

Laut Verkehrskommissarin Violeta Bulc plant die EU eine schrittweise Integration von Drohnen in den europäischen Luftraum ab 2016. Die Kommission will bis Jahresende einen Regulierungsentwurf vorlegen. In ihrem Bericht vom April 2014 hat die Kommission bereits einige Kernpunkte der zu berücksichtigenden Sachverhalte aufgeführt. Die Kommissarin favorisiert eine Regulierung, die das Investitionsrisiko für Startups oder Privatpersonen mindert. Wie diese Regelung genau aussehen soll ist bislang unklar.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) führt derweil eine Konsultation durch. Ein Abschlusspapier wird zur Jahresmitte erwartet. Die EASA veröffentlichte zudem im März eine erste Stellungnahme zur Überarbeitung der Verordnung zur Festlegung gemeinsamer Vorschriften für die Zivilluftfahrt und zur Errichtung einer Europäischen Agentur für Flugsicherheit, die die Integration von Drohnen thematisiert.

Die Bevölkerung an Bord holen

„Public acceptance is key to any successful expansion of drone operations.“, so EU-Kommissarin Bulc in ihrer Rede auf einer Fachkonferenz in Riga. Obwohl gesellschaftsrelevante Themen wie der Datenschutz angeführt werden, fällt kein Wort über die Auswirkungen von Drohnen auf unsere Arbeitswelt und deren Rahmenbedingungen – und das in einer Zeit in der sich weite Teile der europäischen Bevölkerung um ihre Beschäftigung sorgen. Gleiches lässt sich auch für den Einsatz von Robotern sagen.

Die technischen Belange der Integration von Drohnen sind ohne Frage wichtig. Doch wir werden nur eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft finden, wenn die Bürgerinnen und Bürger den Mehrwert für sich und die Gesellschaft erkennen. Das gilt insbesondere für Klein-Drohnen: Sie können sichtbar wie zeitnah Erleichterungen für die Arbeitswelt bringen – z.B. beim innerbetrieblichen Transport. Allgemein ist denkbar, dass der verbreitete Einsatz von kleinen und großen Drohnen Arbeitsplätze und neue Berufsfelder ermöglicht. Aber sie können auch in den Verdacht geraten, durch Ihren Einsatz Arbeitsplätze zu verdrängen. Frühzeitiger, offener Dialog zwischen Unternehmen, Beschäftigten und Wissenschaft und Herstellern kann Vorbehalte klären.

Die Diskussion über die Arbeitsbedingungen im Versandhandel und der Paketbranche lassen künftige Auseinandersetzungen erahnen. Wird hier der Mensch durch Klein-Drohnen ersetzt werden? Führt der Einsatz von automatisierten Systemen zu einem Verharren der Löhne am Mindestlohnstandard? Wie gestaltet sich die Integration von Klein-Drohnen in die Arbeitsabläufe in der Praxis? Das sind Fragen, die sich viele Beschäftigte stellen werden. Diese Aspekte sind ihnen näher als technische Leistungsparameter. Hier gilt es die Bürger abzuholen und an der Gestaltung der neuen Arbeitswelt zu beteiligen.

Über die Faszination Technik hinausgehen

Die neuen technischen Möglichkeiten faszinieren. Von der Landwirtschaft, über Inspektionsaufgaben bis hin zur Brandbekämpfung – die Anwendungsmöglichkeiten von (Klein-)Drohnen sind vielfältig. Klein-Drohnen – und Roboter – sind eine sinnvolle Ergänzung menschlicher Arbeitskraft. Sie verringern einige Risiken am Arbeitsplatz (z.B. Arbeiten in toxisch belasteten Bereichen). Der Einsatz von Maschinen und leistungsstarker Software ist ein Baustein zur Lösung des demographischen Wandels und kann auch einen Beitrag leisten, das Kostengefälle zu anderen Produktionsstandorten in Europa und Übersee abzumildern – ohne Antastung des Mindestlohnes.

Politik und Wirtschaftsverbände, Hersteller und Anwender, Gewerkschaften und Arbeitsschutz sind gefragt Automatisierung und Digitalisierung frühzeitig unter den verschiedensten Aspekten zu diskutieren und die Themen in die Arbeits- und Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger zu tragen. Die kontroverse Debatte um das transatlantische Handelsabkommen TTIP zeigt, wie schwierig eine Aufarbeitung und Aussprache im Nachhinein ist. Lassen wir es diesmal nicht zu spät werden.