Volk, entscheide!

Quelle: chris grabert
Quelle: chris grabert

Am kommenden Sonntag steht für alle Berliner der „Super-Wahlsonntag“ an. Zum einen entscheiden sie mit ihren Stimmen bei den Europawahlen über die Zukunft Europas. Mit dem zweiten Stimmzettel, der sich in den Wahlunterlagen befindet, bestimmen die Berlinerinnen und Berliner über einen städtebaulich interessanteren Aspekt – nämlich die Zukunft des Tempelhofer Feldes.

Zur Wahl stehen die Vorschläge des Abgeordnetenhauses und der Bürgerinitiative „100% Tempelhofer Feld“. Die Pläne des Abgeordnetenhauses legen eine Randbebauung nahe, während die Initiative selbst eine minimale Bebauung des ehemaligen Flughafengeländes strikt ablehnt. Die Positionen sind hart umkämpft – von „Auch ein grüner Hippie muss mal Pipi“ (SPD-Fraktionschef Raed Saleh) bis hin zu „Nur ein Ja zu 100 Prozent Tempelhof kann den nächsten Flop auf einer Großbaustelle verhindern“ (Antje Kapek, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen) lieferten sich die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus ein hitziges letztes Rededuell vor dem Volksentscheid.

Wer sich einmal die derzeitige Wohnungssituation in Berlin vor Augen hält, dem sollte allerdings klar werden, dass es ganz ohne Neubauten auch in diesem Gebiet nicht funktionieren wird: der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) meldet, dass in Berlin nahezu kein Wohnungsleerstand mehr herrscht. Warum nicht also zumindest einen Teil des Areals, das größer ist als das Fürstentum Monaco, produktiv nutzen und mit bezahlbarem Wohnraum der Lage Herr werden?

Es ist auf der einen Seite verständlich, dass viele Berliner sich darum sorgen, das sehr beliebte ehemalige Flughafengelände eines Tages nicht mehr nutzen zu können. Ob Kitesurfing, Laufen und Open Air-Veranstaltungen – das Tempelhofer Feld hat sich seit seiner Freigabe als vielseitig nutzbarer Ort für allerlei Freizeitaktivitäten etabliert. Aufgrund seiner Größe wird sich dies auch trotz der vielzitierten moderaten Bebauung nicht ändern, sondern im Idealfall eine perfekte Kombination aus modernem Wohnen und Zugang zur Natur mit sich bringen. Zum anderen ließe sich damit ein weiterer Schritt in Richtung moderne Stadtplanung und Lösung der Berliner Wohnungsproblematik einleiten.

Es ließen sich im Grunde genommen ganze Bücher zum Tempelhofer Feld und seinen Zukunftsvisionen verfassen, es zählt letztlich jedoch nur der Gang an die Wahlurne am Sonntag. Mögen sich die Berliner Bürger zahlreich beteiligen…

 

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.