Über den Wolken

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Auf der diesjährigen re:publica wurde die neue Online-Plattform „LobbyCloud“ vorgestellt, welche sich zum Ziel gesetzt hat, Lobby-Tätigkeiten zwischen Politik und Wirtschaft transparenter zu machen. Dabei werden Dokumente auf die Plattform hochgeladen – und zwar alles, was „die Abgeordneten in Brüssel in ihren Postfächern finden: Einladungen zu Diskussionsveranstaltungen, Positionspapiere, vorformulierte Gesetzestexte, Drohungen, Warnungen, Gejammer – alles, womit Lobbyisten unsere Abgeordneten eindecken, um sie auf ihre Seite zu ziehen. Grundsätzlich ist das Bestreben nach mehr Transparenz im Gesetzgebungsprozess – und um dabei möglicherweise schwarze Schafe der Branche zu enttarnen – löblich und unterstützenswert. Jedoch erscheint es, als würde unterschwellig der Versuch unternommen, Lobbying per se als etwas Negatives und  Verwerfliches darzustellen.

Dabei ist Lobbying nichts anderes als die Interessenvertretung von Unternehmen oder Verbänden. Durch die Expertise, die seitens der Interessenvertreter an die Politiker herangetragen wird, wird diesen oft überhaupt erst die notwendige Fachkenntnis nahegebracht, die sie beim Entwurf von Gesetzen benötigen. Selbstverständlich wird ein Lobbyist versuchen, ein Gesetz im Sinne seines Unternehmens oder seines Verbandes zu beeinflussen, jedoch ist dies kein Makel, sondern es handelt sich hierbei um den Kern von Interessenvertretung, egal ob dieses nun das Interesse eines Unternehmens, eines Verbandes oder eines Bürgers widerspiegelt. Zu spannend erscheint jedoch die aus Polit-Thrillern bekannte Vorstellung vom bösen Lobbyisten, der sich mit dem Geldkoffer unterm Arm in irgendwelchen Hinterzimmern mit einflussreichen Politikern trifft und dubiose Geschäfte abwickelt. Jedoch tut man der Lobbyarbeit Unrecht, wenn man sie mit korrupten Handlungen in Verbindung oder gar mit Korruption gleichsetzt.

Wie eingangs erwähnt ist es richtig und wichtig, den Lobbyismus von schmutzigen Methoden weitestgehend frei und transparent zu halten – „die Lobbyisten“ jedoch ganz ohne (deutliche) Differenzierung zu dämonisieren und pauschal an den Pranger zu stellen, zeugt allerdings nicht nur von Ignoranz, sondern trägt einen weiteren Teil zur immer wieder zitierten Politikverdrossenheit bei. Dies ist fatal, denn Lobbyarbeit bezieht sich nicht in allen Fällen auf wirtschaftliche Interessen, sondern auch auf gesamtgesellschaftliche – und diese sollten schließlich im Interesse aller sein.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.