TV-Duell der Eliten

TV-Duell_MerkelSchulz
Foto: Karl-Ludwig Poggemann | CC-Lizenz 2.0
Der gestern als „TV-Duell“ ausgestrahlte Schlagabtausch zwischen Amtsinhaberin Merkel und Herausforderer Schulz mutet in mancherlei Hinsicht skuril an: Der Begriff Duell passt nicht wirklich, damit fängt es an. Zudem wurde versucht, die Welt (!) – und nicht nur die Themen, die die Deutschen im eigenen Land bewegen – mit ihren Problemstellungen und Herausforderungen zu erläutern. Was dann folgte, waren vielfältigste Analysen und Berichte. Zugegeben, dieser Beitrag beschäftigt sich auch damit und es ist wahrscheinlich genau dieser Echoraum, den eine solche Debatte braucht, um richtig zu zünden. Ein hochstilisiertes TV-Event birgt aber genau jene Gefahren, denen es im Grunde begegnen soll.

Die unmittelbar an die Kandidatenfragerunde anschließende Diskussionsrunde bei Anne Will förderte zwei wichtige Erkenntnisse zutage: Erstens handelt es sich bei einem solchen Schlagabtausch um eine klassische Elitendebatte. Fachkundige Politiker werden von fachkundigen Journalisten zu Themen befragt, die so komplex sind, dass die meisten Menschen sich dazu gar keine fundierte Meinung gebildet haben und ihnen damit die Urteilskraft schlicht fehlt. Zweitens – und das ist viel schwerwiegender – befördert genau dieses elitäre Interview den Abkopplungsprozess von rund einem Drittel der Gesellschaft und damit der Wähler. Wie können die aber (wieder) erreicht werden?

Das ist die alles entscheidende Frage. Komplexitätsreduktion ja, aber Vereinfachung löst oft das Problem nicht, sondern spitzt es zu. Die Themen zudem in 95 Minuten zu verdichten, wird weder den Kandidaten noch den Wählern gerecht. Es ist also ein Dilemma. Die funktionierende Demokratie setzt informierte Demokraten voraus und schafft es selbst nur bedingt, die notwendigen Informationen und Transparenz bereitzustellen, damit sich diese Demokraten mit ihrer Demokratie weiterentwickeln und sie so dauerhaft tragen.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.