Talentscouting in Politik und Parteien ist dringend erforderlich

Foto: U. Sonnenberg
Foto: U. Sonnenberg

Nach jeder Wahl das gleiche Bild: Es gibt nur Sieger, keine Verlierer. Die de facto Verlierer deuten die vermeintliche Stärke der Gegner oder bisherigen Koalitionspartner sogar noch als ihr eigenes Verdienst. Die „Sieger“ brüsten sich mit einer Mehrheit, die in Wirklichkeit nur eine Minderheit darstellt und die am Ende – wie jüngst in Berlin – nur noch ein Drei-Parteien-Bündnis zulässt, um eine entscheidungsfähige Regierung stellen zu können. Da sorgt für Verdruss bei den Wählern. Hinzu kommt die Angewohnheit, dass insbesondere Landtagswahlen zu Stimmungsbarometern für den Bund hochgejazzt werden. Hier sei ein kleiner Schlenker erlaubt: Ein einheitlicher Wahltermin muss her!

Wenn der sogenannte Sieg erst einmal alle überwältigt hat, kommt das Erwachen die panische Suche nach den Köpfen, die all die neu hinzugewonnenen Ämter besetzen sollen. Wie viel Parteien- und damit Politikverdrossenheit könnte verhindert bzw. behoben werden, wenn sich die Parteizentralen lange vor einer wichtigen Wahl auf Landes- oder Bundesebene – gerne auch im Europäischen Parlament – Gedanken über das zukünftige politische Personal machen würden? Das wäre ein echter Gewinn! Aktuelles Beispiel mit Blick auf die Bundestagswahl 2017: Wir wissen heute schon von altgedienten „Parlamentsrecken“, dass sie nicht wieder kandidieren. Da sind einige prominente Namen dabei: Peer Steinbrück, Gernot Erler, Joachim Poß, Gerda Hasselfeldt, Wolfgang Bosbach u.v.m. Ihre Positionen auf den verschiedensten Feldern müssen in der Folge neu besetzt werden.

Jeder Kreisligist im Fußball gönnt sich mittlerweile eine eigene Talentabteilung. Entweder sie trainieren den verheißungsvollen Nachwuchs selbst oder aber sie schauen im Nachbarclub, wer da noch besser stürmt. Und im Parteienbetrieb? Nichts dergleichen. Was ließe sich nicht alles gewinnen, wenn die richtigen Leute die richtigen Positionen besetzen würden?! Stattdessen entscheidet der Proporz oder gar das Los. Qualität bleibt zugunsten anderer Erwägungen leider zu oft auf der Strecke. Damit verabschiedet sich das politische Personal leider immer weiter vom Auftraggeber, dem Souverän.

Noch gut ein Jahr vor der Bundestagswahl wäre es ein Ansatz, in den Häusern mit so großen Namen wie Willy Brandt oder Konrad Adenauer hier schon einmal die Champions von morgen auszugucken und sie fit zu machen für das mögliche Amt. Auch wenn ein geschulter Kandidat am Ende vielleicht nicht das Rennen macht. Kein Beteiligter wäre bei so einem Vorgehen nach der Wahl dümmer.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.