Strategieentwicklung: Die Entdeckung der Langsamkeit

Foto: PIXABAY
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Ich hatte es schon vor dem Genuss von Sten Nadolnys Buch gewusst: Langsames Denken führt zu besseren Strategien. Natürlich auch zum Überleben: Nadolnys Buch spielt in einer Zeit, als man sich noch mit Kanonen und Musketen gegenübertrat. Eine Szene: Das Schiff, auf dem sich der Held befand, stand unter Beschuss. Der Feind hatte einen Scharfschützen und jeder, der schnell aus der Kajüte aufs Deck hetzte, wurde getroffen und brach auf der Treppe zusammen. Der Held ging nicht raus. Er beobachtete, wo und wie die Kugeln des Schützen einschlugen. Er streckte sein Gewehr in dieser Richtung aus der Kajüte und drückte ab. Der Scharfschütze war ausgeschaltet, viele Leben gerettet. Niemand bekam es mit. Die Strategie „in Deckung bleiben“ führte mit der Taktik „Winkel nachbilden“ zum Erfolg. Wer schnell mal was richten wollte, wäre in Nadolnys Buch gestorben.

Gilt das auch für die Wirtschaft? Neuere Studien scheinen das zu bestätigen. Führungskräfte, die schnell wissen, was die Strategie ist, brauchen mehr Glück als die Bedächtigen, um Erfolg zu haben. Die Schnellwisser und Bestimmer handeln wie die Anbieter von Wundermedizin im Wilden Westen: Wird der Kranke gesund, hat die Medizin geholfen. Stirbt der Kranke, wäre ihm eh nicht zu helfen gewesen. Aber allein auf Grund ihres Habitus kommen solche Schnellbestimmer häufiger in Top-Positionen als ähnlich qualifizierte Mitbewerber. Der Duktus dahinter: Was habe ich alles erreicht! Die Fehlentscheidungen sind vergessen und wehe, wer darauf zu sprechen kommt. Einem Unternehmen tut das nicht unbedingt gut. Im Zeichen des langfristigen Erfolgs sollten sich diese Ruck-Zuck-Manager einen bedächtigen Berater an ihre Seite holen und manchmal auf ihn hören. Kann so etwas passieren?

Bevor es losgeht, sollten wir uns gemeinsam auf eine Plattform stellen, auf ein Gerüst, das gute und schlechte Strategien definiert. Aus der Zukunftsperspektive können wir leicht sagen, was funktioniert hat. So sind Leistungsbilanzen zwar recht anschaulich, aber sie sagen nur etwas aus, wenn man in die Tiefe geht und Erfolgsfaktoren erkennt. Bei jungen Unternehmen ist das wegen der Natur der Sache gar nicht möglich. Was nun die beste Strategie für ein Unternehmen ist, ist meist von gegenläufigen Meinungen geprägt. Erfahrene oder Newcomer: Wie sollen wir entscheiden, welches strategische Vorgehen das Beste ist? Das Beste ist für das Unternehmen, nicht für den Manager. Es gibt eine Reihe von Methoden, die oftmals zu erstaunlichen Ergebnissen führen, wie die Käufer-Nutzen-Matrix aus „Der blaue Ozean als Strategie“.

King Kong ist keine Garantie für Unternehmenserfolg

Selbstsicheres Auftreten ist mit Sicherheit kein Erfolgsfaktor für eine Strategie. Da kann sich der Super-Manager noch so lange auf die Brust klopfen. Das Ergebnis ist meist Folgendes: Die Mitarbeiter verkriechen sich und arbeiten brav bis zum Feierabend, um dann bei einem guten Getränk zu überlegen, ob sie noch einmal wiederkommen sollen. Einbindung und Bedächtigkeit sind die Stickworte: So hat der Unternehmensberater Mark Chussil herausgefunden, dass Menschen, die lange für eine Entscheidung benötigen und sich danach immer noch unsicher sind, die Strategien mit der besten Leistung erstellen: Ihr Unternehmen hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Es geht also um die Einstellung der Manager. Wer von Anfang an mit seiner Strategie ganz sicher ist, verpasst Optionen. Er geht das Risiko ein, zu scheitern, zumindest verpasst er bessere Lösungen und eventuell auch seinen Bonus. Dabei sind die schnellen Entscheider alles andere als inkompetent. Sie sind sich nur zu schnell zu sicher.

Konflikte ansprechen – aber wie?

Zuerst einmal: Die meisten Manager sind wirklich gut und wissen, an welchen Stellen sie Berater einsetzen. Doch wenn alle Mitarbeiter wissen, dass sich etwas ändern muss, aber der Chef sich weigert, was dann? Wie mache ich King Kong klar, dass ihm eine Übermacht gegenübersteht? Dass er gegen die Wand fahren wird oder schlicht seine Wachstumsziele nicht erreicht? In Konzernen hat der Vorstand einen Aufsichtsrat, der Einfluss nehmen kann. Manches mittelständische Unternehmen hat einen Beirat, in dem oftmals mehr als Abnicker sitzen. Andere Unternehmen müssen den steten Tropfen anwenden: Sich am besten immer wieder gute Berater von außen holen, die das Hindernis Stück für Stück abmeißeln, bis die Sonne durch die Wolken bricht.

Das ist etwas Schwarz gemalt. Doch trotzdem: Vielleicht kann man es den raschen Typen nie häufig genug sagen: Gute Strategien, die sich durchsetzen, brauchen Zeit und einen Schuss Unsicherheit. Dieses Kredo sollte in allen Unternehmen zur Philosophie gehören.

SCHiCK! Communications ist eine inhabergeführte Agentur. Sie ist darauf spezialisiert, durch Kommunikation den Absatz von Unternehmen zu steigern. Dazu setzt SCHiCK! das gesamte Instrumentarium der Kommunikation ein: Vom Pressegespräch über Mailings und Landing-Pages bis zu Social Media und Trainings. Uwe Schick ist ein Allrounder mit Erfahrung als Werbetexter, Pressesprecher, PR-Manager und Dozent. Uwe Schick ist Gründer und Kommunikationsberater. B2B. Konzeption. Content. Absatzförderung. Er liebt Literatur, Filme und Musik. Außerdem ist er Hobbybrauer.