Stellen wir uns mal vor, Ukraine sei ein unabhängiger Staat…

flagge-ukraineManchmal, wenn ich die Ukraine-Kommentare lese, habe ich den Eindruck, wir sind wieder im 19. Jahrhundert. Die spannende Überlegungen, ob Ukraine ein Nationalstaat ist.. Wenn nicht, dann ist es doch logisch, dass sie abgeschafft oder zumindest geteilt gehört… ohne den Nationalstaat ist doch kein Staat möglich, nicht wahr? Adieu US& Co. Wenn doch – wie schön zu sehen, dass sich das ukrainische nation building auf Petljura und Bandera begrenzt. Einigen Autoren folgend müsste man allerdings anmerken, dass die beiden mehr oder weniger von deutscher Gnade gehandelt haben. Also doch nix mit buttom-up Bewegung. Bohdan Chmelnyzkij? Iwan Franko? Taras Schewtschenko? Gar Galizien (wo war das noch mal…) etc.? –wen kümmern schon solche Kleinigkeiten.

Wenn wir den Fall Krim noch mal kurz von der historischen Perspektive her betrachten, so wie es gern manche Autoren tun (Kiewer Rus, Jekatarina, Chruschtschow…) muss es natürlich nicht wundern, dass solche Bagatellen wie politische Abkommen der letzten 20-25 Jahre keine große Rolle spielen. Warum nicht Grenzen von 1937 oder am besten gleich vom Wiener Kongress? Aber was erzähle ich hier – die Krim-Bevölkerung hat doch ihren Willen klar ausgesprochen. Ich bin mir ganz sicher, dass das schottische Referendum (sind Schotten eigentlich eine eigenständige Nation?) unter ganz ähnlichen Bedingungen verlaufen wird… Aber ganz abgesehen davon, ist es schon eine tolle Sache, dass die Krim abgetrennt wurde. Vor 3 Monaten hätte zwar niemand daran gedacht, aber, wie im richtigen Leben, panta rhei…Wir haben uns damit abgefunden, was die Ukrainer damit machen, ist schon ihr Problem.

Die neuste Nachricht angesichts der Donezk-Krise (oder positiver formuliert der Volksrepublik Donezk) – die Nato befürchtet eine Verschärfung der Lage statt jener Entschärfung, die wir uns alle wünschen (und wir gratulieren zur rhetorischen Brillanz), es soll aber multilaterale Gespräche geben. Wie großzügig, dass auch die Ukrainer eingeladen sind.

PS. And now something completely different: Schöne Grüße an Lettland, dessen Bevölkerung zu fast 30% russischsprachig ist und auch nicht immer mit der Politik der Zentralregierung zufrieden ist…

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.