Städtebauliche Verdichtung und Wohnraumbedarf

 

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Foto (C) Udo Sonnenberg

Bezahlbarer Wohnraum in Deutschland ist die Forderung der Stunde. Keine Prognose liegt mehr unter 350.000 Wohnungen pro Jahr in den nächsten fünf bis sechs Jahren. Das sind rund 2 Mio. benötigte Wohnungen bis 2021. Die Bewältigung dieser Herausforderung bedarf einer klaren Strategie, die auf innerstädtische Verdichtung statt neuer Flächenversiegelung setzt. Dabei gilt es wichtige städtebauliche und planerische Aspekte zu berücksichtigen.

Bereits im Herbst 2015 wurde eine Studie der TU-Darmstadt öffentlich diskutiert, in der auf die Möglichkeiten der sogenannten Aufstockung in den Städten und Kommunen hingewiesen wird. Struktureller und akuter Wohnraummangel könnte so rasch behoben werden. Es bedarf jedoch einer direkten und indirekten Förderpolitik.

Erstens müssen bürokratische Hürden schnell genommen werden. So ist die geplante vereinheitlichte Musterbauordnung seitens des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ein richtiger Schritt – anstelle von 16 Landesbauordnungen mit jeweils unterschiedlichen Auflagen und Erfordernissen. Zweitens müssen die Bemühungen für das Programm bezahlbares Bauen und Wohnen konsequent fortgeführt werden. Aufstockung hieße in vielen Fällen auch ein signifikanter Mobilitätsbeitrag, wenn Häuser mit mehr als fünf Geschossen Fahrstühle bekommen. Mit Blick auf die demographische Entwicklung im Land ein wichtiger Aspekt. Drittens würden zügige Genehmigungsverfahren und wegfallende Auflagen beispielsweise für KfZ-Stellplätze ihren Beitrag dazu leisten, dass Planen und Bauen a) nicht immer teurer wird und b) Baugenehmigungen schneller durchgehen. Wichtig ist aber zudem, dass Kommunen viertens nicht immer das Maximalpreisprinzip bei eigenem Baugrund verfolgen dürfen. Das treibt die Baukosten ebenfalls nach oben.

Eine direkte Förderung für die Wohnraumbeschaffung darf es nicht per Gießkanne geben. Man muss sich die Bauvorhaben genau anschauen. Innerstädtische Verdichtungen im Luxussegment sind sicherlich nicht per se förderungswürdig. Vielmehr gilt es, einen Kriterienmix zu erfüllen. Wo macht eine Baumaßnahme mit Blick auf die Nachhaltigkeit Sinn? Trägt die Maßnahme zur innerstädtischen Verdichtung bei und passt sie zur vorhandenen Sozialstruktur? Akzeptieren die Bestandsbewohner den Plan? Schließlich wäre darauf zu achten, dass vermietbarer Wohnraum geschaffen wird und die Vermietung zu ortsüblichen Konditionen erfolgt. Bei dieser zielgenauen Umsetzung im Wohnungsbau können Architekten, Planer und Ingenieure die passenden konstruktiven Ideen liefern. Das ist ihr täglich Brot.

Die Aufstockung des Einzelplans 16 (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) im Bundeshaushalt 2017, wie es das Eckpunktepapier der Bundesregierung vorsieht, lässt darauf schließen, dass die Bundesregierung das Thema ernst nimmt. Diese Aufstockung jedoch bereits ab 2018 schon wieder zurück zu fahren, erscheint in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehbar. Zumal der Anteil der Mittelerhöhung (insgesamt über 25%), der in den Wohnungsbedarf fließen kann, unklar bleibt. Lediglich im Zuge der 10 Mrd. € für die Bewältigung des Flüchtlingszuzuges sind 800 Mio. € konkret für den akuten Wohnungsbedarf vorgesehen. Ein Aspekt hier: Wohnungen gleich so bauen, dass sie ggf. nach Rückzug von Flüchtlingen auch von Studenten und Bedürftigen in unserer Gesellschaft adäquat genutzt werden können. Das ist eine Forderung gegen Containerburgen.

Worauf in jedem Fall zu achten ist, dass nunmehr unter dem Druck der Erfordernisse kein Förderreigen einsetzt, der weiter der Zersiedelung und damit der Flächenversiegelung Vorschub leistet. Vielmehr gilt es städtische Wohnlagen mit allen Vorteilen hinsichtlich Infrastruktur, Mobilität und Lebensqualität zu unterstützen.

 

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.