Schmierfinken im Park – Gedenkstein-Verunstaltung

(c) Dr. Justus Bobke
(c) Dr. Justus Bobke

Ein herrliches Herbstwochenende. Zeit für einen Spaziergang. Volkspark Glienicke, Weltkulturerbe. Hier stolpere ich über einen beschmierten Gedenkstein am Jägerhof: „Wir werden das schon schaffen, Deutschland in den Untergang zu treiben! Das Volk will keine Asylanten!“

Der erste Gedanke ist simpler Ekel. Die gleiche Abneigung, die ich empfinde, wenn ich die plumpen Markierungen sehe, mit denen Sprayer sich überall an S-Bahnen und Unterführungen verewigen. Kunst und Witz ist bei den meisten Tags der Graffiti-Anarchos ohnehin nicht zu erwarten. Plumpe Sachbeschädigung vom Niveau des Beinchenhebens eines Straßenköters. Letztlich. Geschenkt. Doch hier liegt der Fall anders.

Der Volkspark Klein-Glienicke gehört zum UNESCO-Welterbe Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin. Hier, wo der Prinz Carl im 19. Jahrhundert versuchte, eine ideale Landschaft zu erschaffen. Hier, wo die landschaftsplanerischen Ideen von Schönheit zur Geltung gebracht werden. Hier, wo der kulturelle Einfluss aus Griechenland, Italien und vor allem England zu bewundern ist. Hier hat also irgendein Schmierfink eine Gedenktafel verschandelt, um seine populistische Meinung kundzutun.

Berlin war immer eine großartige Stadt, in der Neues von Außen zugelassen war. Eigentlich ist Berlin überhaupt erst groß und großartig geworden durch diese Offenheit und diesen Geist. Ob Hugenotten oder russische Exilanten, jüdische Zuwanderer oder Weltenbummler. Es ist eine großartige geistige Freiheit, die man an einem sonnigen Herbsttag in diesem Park genießen könnte. Wer sich hier als Schmierfink verewigt, der ist wirklich perfide, feige, und widerlich.

Da passt es ganz gut, dass die Bezeichnung „Volkspark Glienicke“ aus der NS-Zeit stammt. Die braunen Diktatoren wollten nämlich per Namensänderung das Gelände umwidmen und das idealistische Schaffen des Prinzen Carl von Preußen vergesellschaften. So gesehen hat der rechte Schmierfink, der sich anmaßt für das Volk zu sprechen, den rechten Fleck ausgesucht.

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin