Satire verwelkt vorm Bundestag

Volkskammer20

Der eine singt: „Ein bisschen Spass muss sein…“ Der andere meint: „Hier hört der Spass auf.“ Fortan könnte dem Spassmacher Oliver Welke mit seiner heute-show der Zutritt zum Deutschen Bundestag verwehrt bleiben. Das Hohe Haus macht also ernst. Die taz wirft der Akkreditierungsstelle vor, sie mache eine schlechte Figur bei dem Thema. Das kann man wohl sagen.

Kurt Tucholsky antwortete 1919 noch auf die Frage: „Was darf Satire?“ mit „Alles!“ Nun gut, mitunter gibt es Gratwanderungen. Die Politik, also die res publica als öffentliche Sache, ist seit eh und je Hauptspielplatz der Satiriker. Die heute-show gäbe es ohne die Politik gar nicht, sie ist quasi als deren „Spiegelbild“ erfunden worden. Legendär war doch auch der Live-Auftritt des damaligen FDP-Chefs Rainer Brüderle im Januar 2012. Selbst Verbraucherschutz-Staatssekretär Ulrich Kelber bekennt auf Twitter:

TweetKelber

Die Ablehnung des Bundestages auf eine Anfrage mit der Begründung, es handle sich bei der heute-show nicht um „politisch-parlamentarische Berichterstattung“ ist fast schon Realsatire. Dass sich die Bundestagsverwaltung damit u.U. erst recht zum Gespött der heute-show-Fans macht, zeigt eine Flux eingerichtete Petition auf change.org, die an den Pressesprecher des Bundestages Dr. Hebeker gerichtet ist und schon über 3.150 Stimmen erreicht hat. Auch wenn es sich beim Drehverbot um eine Einzelfallentscheidung handeln mag, es wirft kein gutes Licht auf den Hort der Demokratie in Deutschland, der sich immer gerne transparent gibt bzw. geben möchte.

Und noch ein Aspekt: 2,5 – 3 Millionen Zuschauer schalten die Sendung Freitagabend ein. In Zeiten wachsender Politik-Müdigkeit steht es der Politik und ihren Protagonisten gut an, auch einmal über sich selbst zu lachen und über die eher amüsante Seite sich der einen oder anderen Fragestellung zu nähern. Eine sture Abwehrhaltung – das ist keine neue Erkenntnis der Kommunikationswissenschaft – erzeugt genau das Gegenteil. Der Umgang mit Satire ist auch Ausdruck der Reife einer Gesellschaft. Es gibt genügend Länder, wo Satire als Gefahr gesehen wird. Bei uns ist das grundsätzlich zum Glück anders. Nicht umsonst ist der Postillon eines der erfolgreichsten Blogs der Republik.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.