Der Feind in meinem Net

Bereits seit 2004 wird jedes Jahr am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats der „Safer Internet Day“, welcher durch die EU-Kommission begründet wurde, zelebriert. Ziel dieses Aktionstages ist es, insbesondere Jugendliche für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren. In diesem Jahr jedoch stellt man sich beim Blick in die nsa (2)Presse gelegentlich die Frage, vor wem wir uns eigentlich schützen müssen: während die Gefahren seinerzeit „Killerspiele“, Cyber-Bullying und Pornografie hießen, denkt man heutzutage eher an das eigene Dasein als „gläserner Bürger“, der dank NSA, Google und einer Vielzahl von Sicherheitslücken in den im Minutentakt aus dem Boden sprießenden Social Media-Plattformen und E-Commerce-Angeboten gefühlt jeden Bestandteil seiner privaten Identität irgendwo im Internet und damit potenziell in den falschen Händen hinterlässt.

Anlässlich des diesjährigen „Safer Internet Day“ führten der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) eine Studie durch, die ergab, dass nur noch 15 Prozent der Nutzer sich im Internet überhaupt nicht unsicher fühlen. Zu erschreckend waren die NSA-Enthüllungen des ebenso gefeierten wie kritisierten „Whistleblower“ Edward Snowden im vergangenen Jahr, der über seinen ehemaligen Arbeitgeber preisgab, dass vom Ottonormalbürger bis zum Staatschef im Grunde genommen jeder unter Generalverdacht steht, kriminelle Handlungen zu begehen, Millionen von User-Daten auf Webseiten wie Facebook gesammelt und ausgewertet würden. Und genau hier liegt der Hund begraben: das Internet ist eine der geschichtsträchtigsten Erfindungen der Menschheit – in sämtlichen Bereichen des Arbeits-, Studien- und Privatlebens geht heutzutage nichts mehr ohne die Verwendung des Internets. Mit dem E-Commerce-Sektor hat sich in den vergangenen 20 Jahren aus dem Internet ein ganzer Wirtschaftszweig hervorgetan; das beliebte „Online-Shopping“ ist aus dem Sprachgebrauch mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Doch wie lange hält das Vertrauen? Mittlerweile nutzt nur noch ein Viertel der deutschen Internet-Nutzer die Möglichkeit des Online-Bankings, auch das Online-Weihnachtsgeschäft war 2013 erstmals wieder rückläufig (vgl. Studie des Händlerbundes). Ob es wirklich an den zahlreichen Datenskandalen des vergangenen Jahres liegt? Der Verdacht liegt zumindest sehr nahe.

Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn Staaten wieder verstärkt ihren ursprünglichen Aufgaben nachkommen würden und ihren Bürgern wieder mehr Vertrauen entgegenbrächten, und ihnen, anstatt sie unter Generalverdacht zu stellen, vor den wirklichen Gefahren des Internets den nötigen Schutz bieten: Identitätsdieben, Trickbetrügern und Cybermobbern.

Damit Internet-Unternehmer und Datenschützer Kim Dotcom mit seiner Aussage „Our Skype conversation right now is going to be recorded and will end up in an NSA spy cloud and a data centre in Utah whether it has any relevance or not.“ vielleicht irgendwann einmal Unrecht hat…

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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