Rußland soll einer verstehen

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Gestern Abend hat die Schwarzkopf-Stiftung zu einer Veranstaltung in die Russische Botschaft eingeladen. Es ging um die europäisch-russischen Beziehungen. Niemand geringeres als der Botschafter selbst, S.E. Wladimir Grinin, hielt zu diesem Thema einen Vortrag und stand im Anschluss für ein Gespräch zur Verfügung. Moderiert wurde selbiges von der Politik-Ressortleiterin des Tagesspiegels, Juliane Schäuble. Die Schwarzkopf-Stiftung, die jungen Menschen Europa und dessen Ideen im Sinne einer Völkerverständigung nahe bringen will, verfolgte mit dieser Veranstaltung ein heeres Ziel. Allerdings waren die Ausführungen des Botschafter eher befremdlich.

Sein sehr diplomatisch verfasster Vortrag ließ keinen Spielraum. Kurz gesagt: Rußland hat alles richtig gemacht vor der „politischen Schlechtwetterlage“ (Grinin) und die EU haben sich von den USA instrumentalisieren lassen. Die Moderatorin bzw. Interviewerin – es war kein Podium, sondern nur Botschafter Grinin, der nach seinem Einführungsvortrag weiter sprechen durfte – hat brav ein paar unverfängliche Fragen an den Botschafter gestellt. Konkret wurde er selbstredend nicht. Das einzige Mal, wo sie etwas keck wurde, war im Zusammenhang mit der vermeintlichen Entführung von Lisa, die in Wirklichkeit bei einem Freund abgetaucht war, wie sich schnell herausstellte. Frau Schäuble konfrontierte ihren Gesprächspartner mit der Aussage, dass es schon ein Unterschied sei, etwas juristisch klären zu wollen, oder vor der Weltpresse ein Entführungsszenario aufbauschen zu wollen. Grinin hatte das Thema in bewährter russischer Manier als „Aktion der Mainstream-Medien“ in Deutschland abgetan. Daraufhin Frau Schäuble: „Dann gehöre ich auch zu den Mainstream-Medien und kann ganz gut leben damit.“

Auf Fragen aus dem Publikum – Schüler und Studierende – danach, was Rußland denn von der EU bräuchte, um den Dialog wieder aufzunehmen und ob es in irgendeiner Weise so etwas wie Unrechtsbewußtsein in Rußland gäbe, fing Grinin an, von seiner Kindheit auf der Krim zu erzählen und dass das immer wie Rußland bzw. die Sowjetunion war. Im Übrigen habe niemand irgendwo Gewalt ausgeübt, sondern die Bewohner der Krim hätten von sich aus demokratisch entschieden, fortan zu Rußland gehören zu wollen. Nun denn…

Wenn ein hochrangiger Diplomat oft vage bleibt – so z.B. bei der Frage, welchen nächsten US-Präsidenten er sich wünsche – ist das nachvollziehbar. Wenn er sich aber allen ernstes hinstellt, den unschuldigen mimt und in das gleich Horn bläst wie alle anderen Putin-Vasallen, dann gleicht das schon eher einer Beleidigung eines aufgeklärten und demokratisch denkenden Publikums. Stiftungschef und Co-Gastgeber Schmitz-Schwarzkopf lobte am Ende noch ähnlich brav die Gastfreundschaft des Botschafters und ermunterte alle, das schöne, vor stalinistischem Kitsch-Prunk geradezu strotzende Botschaftsgebäude anzuschauen. Kann man machen. Kritischer Dialog sieht aber letztlich doch anders aus.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.