Roboter, Drohnen, Automatisierung. Was heißt das eigentlich für uns?

GrafikDer Einsatz von Robotern beeinflusst unsere Gesellschaft. Die Arbeit. Die Unternehmen. Den Konsum. Die Politik. In der Produktion sind Roboter bereits seit Jahren ein fester Bestandteil. Neue Technologien und Anwendungen rücken sie mehr in unseren Alltag. Machen sie konkret sicht- und erlebbar. Bürgergesellschaft, Verwaltung und Politik müssen sich Gedanken machen, wie und inwieweit sie den Einzug von Robotern und anderen digitalen Helfern in Arbeits- und Lebenswelt regeln wollen. Dieser Beitrag skizziert, wo bereits unterschiedliche Sachverhalte und Herausforderungen, denen wir uns in den vier Bereichen stellen müssen. Den Anfang machen die Arbeits- und Unternehmenswelt.

Eine Lösungsoption für Europa

Roboter sind für die EU-Kommission ein Lösungsweg für Herausforderungen wie der sich abzeichnende Pflegenotstand, Umweltschutz oder die im Laufe des demografischen Wandels sinkende Anzahl von Arbeitskräften. Europa sieht in der Automatisierung einen wichtigen Bestandteil für den Erhalt des Wirtschaftsstandortes. Dabei muss der Einsatz von Robotern nicht zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Arbeitnehmerbedingungen führen: Ein Blick auf die Top 10 des aktuellen „World Competitiveness Ranking“ zeigt, dass nicht Länder mit prekären Arbeitsbedingungen die Liste dominieren. Es sind vor allem Hochlohnländer – zumeist mit relativ austariertem Sozialgefüge.

Ziel der EU ist ein Marktanteil europäischer Roboterhersteller von 42 Prozent im Jahr 2020 – derzeit sind es 35 Prozent. Dafür investiert Europa in das größte zivile Roboterprogramm. Dabei setzen die Europäer auf ein milliardenschweres PPP-Investment in die Zukunftstechnologie. Wenn die europäischen Staaten derlei Ziele erreichen wollen, benötigen sie eine umfassende Strategie die Issues der unterschiedlichen Lebens-Welten miteinander zu verbinden und zu lösen.

Roboter in der Arbeitswelt: Wir schaffen uns nicht ab. Wir müssen unsere Arbeitswelt anpassen.

Der Sachverhalt: 47 Prozent der Arbeitsplätze (in den USA) gelten laut einer Studie der Oxforder Wissenschaftler Frey und Osborne durch Automatisierung der Wirtschaft als bedroht. Sie verweisen auf die Automatisierungspotenziale in Transport und Logistik, dem Dienstleistungssektor bis hin zu Verwaltungsarbeiten. In der Tat, selbststeuernde Lastwagen auf den Straßen, Serviceroboter als Bedienung im Restaurant sowie die (Teil-)Automatisierung der Bürokorrespondenz sind nicht mehr ferne Phantasmen. Viele Fragen stehen in diesem Kontext im Raum:

  • Wie viele Arbeitsplätze werden durch Roboter in Europa abgelöst werden?
  • Welche Aufgaben werden Roboter übernehmen? Wo bestehen Kompensationsmöglichkeiten beim sich abzeichnenden Arbeitskräftemangel.
  • Wie viele und was für neue Arbeitsplätze werden durch den steigenden Einsatz von Robotern entstehen?
  • Wie wirkt sich der Robotereinsatz auf die Qualität der Arbeit und Arbeitsplätze sowie die Arbeitssicherheit aus?
  • Wie können wir die Chancen der Automatisierung für den Erhalt des Wirtschaftsstandortes Europas nutzen?
  • Wie erhalten wir die sozialen Errungenschaften und machen die Arbeitswelt fit für die digitale Revolution der Industrie 4.0?

Der technologische Fortschritt ist neben Investitionen und Marktumfang ein wichtiger Bestandteil für wirtschaftliches Wachstum und die Verbesserung des Lebensstandards, so in der OECD-Schrift „Die Weltwirtschaft von morgen“. „Der Wandel kostet immer einige Arbeitsplätze, und wenn die Arbeitsmärkte unflexibel sind, könnte erhebliche strukturelle Arbeitslosigkeit fortdauern.“, heißt es dort (S. 76) mit Blick auf die sich etablierende Computertechnologie. Ein Fakt, der sich auf Roboter übertragen lässt.

Ein Lösungsansatz: Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie der Arbeitsmarkt von morgen aussieht und wie wir – letztlich teurere – soziale Dissonanzen vermeiden. Kontinuierliche Weiterbildung und (Um-)Schulung auf neue Berufsfelder ist ein Weg, die Belegschaften Europas langfristig für die neuen Bedingungen fit zu machen. Das ist sicher. EU und Staatsregierungen, Unternehmen und Verbände, Gewerkschaften müssen dies in ihren Strategien zur Automatisierung und Digitalisierung der europäischen Wirtschaft einpreisen. Der Wirtschaftswissenschaftler Maarten Goos macht anhand des Beispiels von GM deutlich, wie eine einseitige Fokussierung auf eine Technologie – ohne Berücksichtigung von Faktoren wie der Weiterentwicklung von Organisation oder Ausbildung – zum Misserfolg führen kann.

Die heutigen Roboter sind vor allem für Routineaufgaben, durchstrukturierte oder standardisierte Tätigkeiten wie z.B. Schweißen im Karosseriebau oder innerbetrieblichen Transport geeignet. Improvisation, das Handling von unvorhergesehenen Situationen oder Unfällen erfordern weiterhin den Menschen, auch wenn das Leistungsspektrum von Robotern wächst. Die Tätigkeit von Mensch und Maschine ist keine Frage des „entweder oder“ sondern des „sowohl als auch“. Aber das „Wie?“ muss gesamtgesellschaftlich verhandelt und organisiert werden.

Roboter in der Unternehmenswelt: Keine Wunder erwarten

Die Belange der Arbeitswelt sind eng verbunden mit Unternehmensfragen.

Der Sachverhalt: Wie bereits am Beispiel Pflege-Roboter angemerkt, befürchten weite Teile der Gesellschaft eine Verdrängung von Arbeitsplätzen durch den verstärkten Einsatz von Robotern. Unternehmen sind gefragt zusammen mit Verbänden, Betriebsräten und Gewerkschaften über das Für und Wider der Roboter-Integration zu diskutieren. Die Einbeziehung der Belegschaften in den weitläufigen Integrationsprozess von Robotern ist bedeutsam für den Betriebsfrieden.

Unter Berücksichtigung der bisherigen technologischen Innovationsschübe wird deutlich, dass sich Arbeitsplätze verlagert bzw. verändert haben. Unternehmen wie Belegschaften sollten nicht automatisch von einer massiven Produktionssteigerung bzw. Entlassungswelle ausgehen. Roboter machen Organisationssysteme flexibler und Teilprozesse effizienter. Sie können jedoch exogene Einflussfaktoren nicht (vollends) abfedern. Sinkende Nachfragen, steigende Rohstoffpreise, Streiks oder die Erhöhung von Energiepreisen und Steuern sind nur einige Faktoren, die sich auf die Produktion auswirken.


 

Exkurs

Unternehmen müssen sich weiteren Fragen stellen, die unter anderem staatlichen Einfluss unterliegen. Wir werden uns an andere Stelle mit dem einen oder anderen Beispiel beschäftigen:

  • Naiv gefragt: Ist die steigende Anzahl von Serverfarmen, Hochleistungscomputern, der mittelfristige Anstieg von Roboter- und Drohneneinsätzen in der Wirtschaft sowie langsam aufkommende Elektromobilität eingepreist? Bereits jetzt mahnt die Wirtschaft die Belastung durch hohe Strompreise an. Schafft die Energiewende eine ausreichende Versorgungssicherheit, wenn noch mehr stromhungrige Verbraucher hinzukommen?
  • Vielfach wird seitens der Industrie darauf hingewiesen, den Datenschutz neu zu fassen. Wenn allgemeingültige Rechtsstandards des Staates die Komplexität der Industrie 4.0 und wachsenden Datenströme nicht mehr abbilden können, wären Selbstregulierungsmaßnahmen der ein Lösungsweg? Wäre die Selbstverwaltung – ähnlich wie beim Arbeitsschutz durch Berufsgenossenschaften – eine gangbare Alternative? Der Staat gibt den Rahmen vor, verbindliche Details regeln z.B. Organe aus Wirtschaft, Arbeitnehmerschaft, Verbrauchergruppen etc.
  • Netzausbau: Inwieweit müssen wir beim Netzausbau den Datenverkehr durch die Automatisierung berücksichtigen? Nicht unternehmensinterne Netzwerke, vielmehr der Datenaustausch z.B. durch Paket-Drohnen oder (teil)autonome Fahrzeuge können zu einer Herausforderung für Mobilfunknetze werden. Zudem besteht bekannter Nachholbedarf beim Ausbau der Kabelnetze. Bremst der Verzug bei einer Technologie die Andre aus? Es wäre schade.

Ein Lösungsansatz: Alle Seiten sollten sich auf die Chancen fokussieren, die Roboter mit sich bringen. Wenn bis 2030 sechs bis acht Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen, eröffnet sich hier ein großes Potenzial. Roboter können in Teilen der Wirtschaft/Betriebe Beschäftigte ersetzen, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden. So die Theorie. Da bedeutet jedoch eine Anpassung der Personalführung, Recruiting, effektivere Mitarbeiterausbildung und Einigkeit bei den Sozialpartnern zu neuen Modellen.

Wenn Deutschland vor derlei Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und dem internationalen Wettbewerb steht: Warum nicht die Unternehmen fördern, die Ihre Belegschaft für die neuen Rahmenbedingungen fit machen und damit Arbeitsplätze erhalten?

Zu denken wäre auch an ein spezielles Kreditprogramm der KfW-Bankengruppe für kleine und mittelständische Unternehmen, die in Robotik, Digitalisierung etc. investieren wollen. Bestehende Programme könnten dafür explizit erweitert oder gänzlich neu aufgelegt werden.

Das steigert die Nachfrage steigern, senkt langfristig die Kosten für Roboter, bietet deutschen Herstellern eine Ausgangsbasis für das Auslandsgeschäft, stützt die nationale Wettbewerbsfähigkeit und stärkt die Innovationskraft der Hersteller. Ohnehin wird in letzter Zeit vielfach auf den Handlungsbedarf der KMU bei der Integration neuer Technologien hingewiesen, z.B. bei der Digitalisierung.

Lesen Sie im nächsten Beitrag einige Denkanstöße über die Bedeutung von Robotern/Automatisierung für Komsumwelt und Politik.