Roboter, Drohnen, Automatisierung. Schöne neue Konsumwelt?

KonsumVor zwei Wochen wagten wir einen Blick auf mögliche Auswirkungen der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft auf Unternehmen und Arbeitswelt. Dieser Beitrag skizziert Auswirkungen auf unseren Alltag – auf unseren Konsum. Was bedeuten Digitalisierung und Robotereinsatz für mein Konsumverhalten? Wie wird sich die Alltagserfahrung „Konsum“ in den nächsten Jahren verändern? Vor welchen Herausforderungen und Chancen stehen Handel und Verbraucher?

Roboter in der Konsumwelt: Die Durchdringung hat begonnen

Der Sachverhalt: Der Robotereinsatz prägt unseren Konsum. Doch nun treten die Roboter aus den Produktionshallen heraus in unseren Alltag. Verbraucher werden auf unterschiedlichste Art und Weise an die fortschreitende Automatisierung der Arbeits- und Unternehmenswelt direkter erfahren als zuvor. Was können wir erwarten?

Der Einzug von Service-Robotern ist mit einer vermehrten und verstetigten die Mensch-Maschine-Interaktion verbunden. Ob Roboter oder Programme, die digitale Unterstützung im Alltag steigt rasant an.

Erste Heimwerkermärkte setzen auf Mensch-Maschine-Kommunikation im Verkaufsraum. Nicht nur mit Robotern: Die Metro-Gruppe stattet in Kaufhof-Filialen Verkäufer mit Tablets aus. Märkte und Versandhandel wachsen zusammen. Lagerbestandkontrolle und rasches Nachbestellen mit dem Kunden vor Ort optimieren Service und Verkauf. Durch die Standortvernetzung werden Märkte zu lokalen Lagern: Online-Bestellungen werden künftig rascher ausgeliefert oder der Verbraucher holt sich den Wunschartikel an der Warenabnahme ab. Nicht nur aus diesem Grund ist im Einzelhandel der Einsatz von Transport-/Service-Robotern denkbar, die die Beschäftigten bei Einräum- und Packarbeiten entlasten oder Kunden mit Informationen versorgen.

Diese Entwicklung zeichnet sich z.B. im Internethandel ab. Mit der Kombination von Scannern und RFID-Technologie sind hier Effizienzsteigerungen verborgen, die letztlich uns Kunden rasche Auskunft, gefüllte Regale, straffe Lieferketten zu bezahlbaren Preisen ermöglichen.

Humanoide Rezeptions-Roboter in Hotels sind nicht länger der Science Fiction vorbehalten. Die digitalen Helfer sind auch in der System-Gastronomie denkbar: In den USA wird diese Option bereits diskutiert. Der Kellner aus Fleisch und Blut wird weiter bleiben! Schließlich ist Essengehen in klassischen Restaurants für weite Teile der Bevölkerung ein beliebtes Ritual, zu dem auch ein zuvorkommender Ober gehört. Aber Jobs werden wegfallen (s.u.).

Auch der nicht sichtbare Einsatz prägt den Konsum: Der verstärkte Einsatz von Robotern lässt eine weitere Optimierung des Lean Managements erwarten. Vorteil für die Kunden: Mit einer noch effektivere Abstimmung von Kaufentscheidung, Produktion und Auslieferung bei gleichzeitig geringeren bzw. stabilen Preisen. Roboter, moderne Logistik in Verbund mit dem 3D-Druck, RFID und schnellen Datenverbindungen ermöglichen eine dezentrale Produktion. Die Reaktionsfähigkeit des Gesamtsystems steigt. Firmen und Wirtschaft werden weniger anfällig auf Störungen* und können noch besser auf Kundenwünsche reagieren. Kundenindividuelle Güter sind in der Industrie wie bei Verbrauchern gefragt, Kleinserien keine Seltenheit.

Wo ist ein Haken?

Alles toll? Alles Wunderbar? Nein. Allein im stationären Handel wird in den nächsten Jahren ein signifikanter Teil der Verkaufsfläche wegfallen. So war es auf der Veranstaltung „Auf allen Kanälen“ von HDE, ebay und der Metro-Group am elften Juni zu hören. Laut Prognose des IFH Köln wird es 2020 je nach Szenario 24.000 bis 58.000 Geschäfte weniger geben. Insbesondere kleinere Städte und Ortschaften außerhalb der Ballungsgebiete werden betroffen sein. Das stellt vor allem die Kommunalpolitik vor Herausforderungen. Gleichzeitig laborieren Paketzusteller, Autobauer und Versandhandel an der Paketzustellung ins geparkte Fahrzeug. Das könnte einige neue Jobs schaffen, wirft aber auch neue Fragen auf: Wer haftet, wenn nach der Lieferung der Kofferraum nicht richtig schließt? Daten- und Systemschutz für Hackern?

Untersuchungen der Citi Group zufolge sind Jobs in Gastro- und Hotelgewerbe, Einzelhandel und Verwaltung besonders durch die digitale Transformation der Arbeit bedroht (Wired 6/2015, S.87). Die Produkte und ihre Bereitstellung, wie auch der Konsum selbst verändern sich. Mit Auswirkung auf unser Alltagsleben. Die Bürger haben hier durch ihr Konsumverhalten Einfluss auf die Entwicklung – dieser muss jedoch dann auch genutzt werden.

Verbraucherkommunikation – ein Lösungsansatz: Interessant wird die Reaktion der Verbraucher. Werden sie ein Mehr an technischen Helfern und Digitalisierung begrüßen oder ihnen misstrauisch gegenüber stehen? Herausforderungen liegen in der Kommunikation, wohl weniger in der Güte der gefertigten Ware. Denn hier haben Roboter einen guten Namen – z.B. im Automobilbau. Oder dem Service: Nach Angaben des Handels begrüßt der Verbraucher den Mix aus verschiedenen analogen und digitalen Verkaufskanälen.

Aber die Bürger interessieren sich zunehmend für soziale Fragen. Es gilt die Faszination Technik anzusprechen, aber gleichzeitig mit der Digitalisierung verbundene Befürchtungen von Arbeitsplatzabbau bis unzeitgemäßer Datenschutz zu berücksichtigen. Abgestimmte Kommunikation aus Forschung, Produktion und Anwendung erreicht die Verbraucher auf unterschiedlichen Kanälen und zu unterschiedlichen Themen.

Gegebenenfalls bedarf es auch einmal der klaren Verdeutlichung. Was möchte der Kunde? Ein Ladengeschäft vor Ort in einer strukturschwächeren Region? Dann bei etwas höheren Preisen. Oder lieber günstigere Angebote, aber dann per Paketlieferung. Derlei Konsumentenfragen sind mit Infrastrukturbelangen verbunden. Hier sind ehrliche, klare Worte begrüßenswert. Lieber eine unbequeme Wahrheit, die man lösen kann, als ein bequemes „Das wird schon!“, welches zum Nachteil aller keine Lösungen nach sich zieht.

Beispiel Rückzug des stationären Handels – ein Lösungsansatz: Solche konkrete Lösungen werden bei einem tatsächlichen Rückzug des Handels aus der Fläche von der Politik erwartet. Länder und Kommunen sind gefragt, sich jetzt zusammen mit der betroffenen Bevölkerung über die lokalen und regionalen Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen. Und dabei kann der Handel unterstützen: Was hält den stationären Handel künftig in der Fläche? Welche gemeinsamen lokalen Lösungen sind denkbar?

Während die Politik die Moderatorenrolle einnimmt und für optimale Rahmenbedingungen verantwortlich zeichnet, können die Bürger (ihr Kaufverhalten bestimmt die Transformation in Produktion und Handel mit!) kreative Ideen einbringen und sich für ihre Region einsetzen. Die Wirtschaft kann Expertise für Umsetzungsfragen einbringen. So ein Trilog hilft, die Akzeptanz von Digitalisierung und Automatisierung zu fördern und letztlich allen Seiten gerecht zu werden.

Die Themen sind da. Die Herausforderungen sind da. Das Interesse auch. Genauso die Gesprächsanlässe: 2016 finden fünf Landtagwahlen und einige Kommunalwahlen statt. Die Sommerpause wäre also für Politik und Wirtschaft die Gelegenheit, über einen intensiven Trilog mit den Bürgern nachzudenken. Beispiele wurden hier angerissen; mehr lassen sich sicherlich finden.

 

*) Unberücksichtigt von Störfällen wie z.B. Hacking oder Sabotage.