Reden ist Silber

 

Bild: dpa, EPA, ORESTIS PANAGIOTOU
Bild: dpa, EPA, ORESTIS PANAGIOTOU

Weltklimareport – ein gewichtiges Wort. Am Wochenende wurde er im japanischen Yokohama vorgestellt. 800 Experten haben daran mitgewirkt. Damit er nicht so schnell aus den Schlagzeilen verschwindet, seien hier ebenfalls einige Zeilen darauf verwendet. Passend zum Report vom vergangenen Wochenende, war das Spitzentreffen gestern Abend im Kanzleramt zur EEG-Thematik. Bund und Länder haben sich im Wesentlichen darauf verständigt, dass weniger Förderung am Ende doch nicht so gut ist. Was hat es in der Vergangenheit nicht alles gegeben?! Angefangen mit dem Erdgipfel von Rio vor 22 Jahren und der „Agenda21“ (zugegeben, hier geht es in erster Linie um Nachhaltigkeit, aber die hat am Ende eben auch etwas mit dem Klima zu tun) über das sog. „Kyoto-Protokoll“ bis hin zu diversen regionalen und lokalen Initiativen – u.a. die deutsche Unternehmer-Initiative „Stiftung 2 Grad„. Alles schön und gut und sicher besser als nichts. Aber was ist die Realität: Versmogte Städte weltweit, Amerikas zweites Wirtschaftswunder – dank Fracking, das Ziel eine Million Elektroautos in Deutschland bis 2020 auf die Straßen zu bringen liegt in weiter Ferne und gestern freut sich der ADAC, dass die Spritpreise weiter unter Vorjahresniveau liegen. Es dürfte mittlerweile auch unter den größten Skeptikern anerkannt sein, dass der menschengemachte CO2-Ausstoß zumindest dazu beiträgt, dass sich das Klima verändert. Noch weiter abgeschwächt: Rascher als es das vielleicht in erdgeschichtlichen Schwankungen ohnehin tun würde.

Die Politik steht vor der Würfelmachung der Kugel: Mehr (gewollte) regenerative Energie bedeutet zusätzliche Belastungen für die Verbraucher und damit Wähler – politisch also heikel. Ohne nachhaltige Energiegewinnung gibt es aber auch keine Möglichkeit, dem Klima etwas Gutes zu tun.

Es gibt zudem einen lebensnahen, alles überlagernden Grund, warum viel mehr als Reden – zumindest in unseren Breiten – dabei nicht herauskommt: Das Klima verändert sich schleichend. Für uns in den besagten gemäßigten Breiten schon gleich doppelt positiv: Der Sommer setzt früher ein, die Seele freut sich. Kein Wassermangel, da immer noch genug Nass von oben kommt. In diesem „Paradies“ kommt doch morgens keiner drauf und lässt sein Auto stehen oder zieht im Winter den mittlerweile auch von der amtierenden Umwelt- und Bauministerin zitierten Pullover an. Mit dem Klima ist es wie mit der Arthrose. Jahrzehntelang legt man einen Lebensstil an den Tag, der die Krankheit geradezu heraufbeschwört. Erst wenn sie ausgebrochen ist, wird der Arzt aufgesucht. Unser gesamtes Denken ist auf Nachsorge und nicht auf Vorsorge ausgerichtet. So lange das so ist, bleibt das Reden übers Klima ebenfalls maximal Silber.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.