Realsatire trifft auf Selbstreferenzialität #Fingergate

„Es ist eine lustige Geschichte, wenn der Hintergrund nicht so wahnsinnig ernst wäre“, sagt der Karikaturist Rainer Hachfeld im inforadio des rbb. Am heutigen Montag kommt der griechische Ministerpräsident nach Berlin. Kanzlerin Merkel hat angekündigt mit ihm zu reden, vielleicht auch zu diskutieren.

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Es ist langsam alles nur noch eine Farce und Aufgeregtheit – offenbar um seiner selbst willen. Ein großspurig angekündigtes Video-Interview vor einer Woche brachte noch einmal richtig „Schwung“ in die ganze Geschichte: Die Zuschaltung des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis in der Talkshow Günther Jauch vor einer Woche förderte eine vermeintlich provokante Geste zutage und der „Skandal“ war geboren. Hatte die ARD hier einen sauber geplanten PR-Gag auf Lager oder hatte die Jauch-Redaktion einfach geschlampt? Letzteres scheint zwischenzeitlich festzustehen.

Wie dem auch sei, der mediale Spin-Doktor Jan Böhmermann setzte noch eins drauf und erklärte, er habe das Video-Interview mit Varoufakis gefaket. Der Hastag #Varoufake oder zu „deutsch“ #Fingergate, war geboren. Die Zwitscherdrähte im Netz liefen heiß. Meedia hat die Chronologie ganz nett zusammengefasst.

Was ist los im Medien-Dschungel? Geht es nur noch um Selbstreferenzialität? Klar, man kann es genial nennen aus Sicht eines Herrn Böhmermann, diese Vorlage von der Jauch-Redaktion zu einem Volleyschuss aufs Tor zu nutzen. Auf der anderen Seite bleiben viele Menschen – vielleicht ist das sogar gut so! – bei diesen medialen Windhosen außen vor und verstehen nur noch Bahnhof. Statt neutral zu informieren, liefern viele Medien nur noch Verwirrung. Das ist bedauerlich.

Bedauerlich ist allerdings auch, dass Günther Jauch am gestrigen Abend nicht ein einziges Wort über seinen bzw. den Fehler seiner Redaktion verloren hat; geschweige denn eine Entschuldigung. Die NZZ, so berichtet T-Online (sic!), fordert deshalb auch den Rücktritt von Günther Jauch, weil er gegen fundamentale journalistische Grundsätze verstoßen habe. Nun gut, das politische Gespräch zwischen Angela Merkel und Alexis Tsipras heute in Berlin hat hoffentlich wichtigere Inhalte.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.