PrOlympiade in Hamburg

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin für Olympia. Wo stünden München oder Barcelona ohne ihre Spiele? Beide Städte sind exzellente Beispiele, wie man eine solche Chance nutzt, um einen erheblichen Fortschritt zu machen: als Stadt, als Kraftzentrum, als Ort des Erfolges.
Nun will Hamburg die Spiele nach Deutschland holen. Am 29. November sollen die Hamburger über die Bewerbung entscheiden und einiges läuft schief. Nicht zuletzt hat die Hansestadt Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Man möchte man keine Schulden machen. Löblich. Aber man möchte, dass der Bund von den veranschlagten 7,4 Milliarden Euro, die die öffentliche Hand übernehmen soll, den Großteil von 6,4 Milliarden Euro übernimmt. Daneben.

Viele Deutsche wünschen Hamburg viel Erfolg bei seiner Bewerbung. Seit Jahren macht Hamburg sehr viel richtig und entwickelt sich als starke Marke weiter. Jetzt können die Hamburger einen wichtigen Markstein setzen und den Glaubwürdigkeitstest bestehen. Die Menschen in Deutschland möchten sehen, dass die Menschen in Hamburg, Kiel und der Metropolregion Hamburg – also die Profiteure der Veranstaltung – sich erst einmal kräftig ins Zeug legen. Das wäre hanseatisch glaubwürdig, kaufmännisch solide und norddeutsch anständig.
Vor allem soll man den Menschen reinen Wein eingießen: Olympia ist teuer. Doch ohne Investment kein Gewinn! Siehe München und Barcelona. Die Menschen in Hamburg und drum herum müssen ihre Olympiade nicht nur wollen, sondern auch bereit sein, sich dafür ordentlich zu engagieren: Wie wäre es mit einem Fonds, in denen Privatleute einzahlen oder das Gastgewerbe, die Wohnungswirtschaft oder die Bauindustrie aus Hamburg und Metropolregion? Denkbar ist auch, dass Hamburg seine Leistungen wie Hafengeburtstag oder Cruise Days, Reeperbahnfestival oder Triathlon so vermarktet, dass ein Teil der Einnahmen in die Olympiabewerbung fließen. Das Ziel: Wieder zu Gast bei Freunden sein. Diesmal: Treffpunkt Bürgerolympiade.

Erst, wenn ein solches Engagement erkennbar wird und nicht nur die Jubelarien via Abendblatt und Co ertönen, darf das übrige Land zur Kasse gebeten werden. Der Bundesinnenminister hat völlig recht, wenn er vorerst auf die Bremse tritt. Eine gut finanzierte Bewerbung und ein nachhaltiges, zeitgemäßes und bürgerlich-engagiertes Konzept – das sollte die Hamburger Bewerbung ausmachen. Das wäre dann richtig gut so!

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin