NEOS – der neue Liberalismus?

Die politische Landschaft Österreichs ist spätestens seit dem vergangenen Jahr mit ebenso vielen Hoch- und Tiefebenen versehen wie die Alpenrepublik selbst. Da ist zum einen der tiefe Fall des Frank Stronach, dem skurrilen, milliardenschweren Austrokanadier, der mit seiner Partei „Team Stronach“ als Hoffnungsträger die Politikszene betrat und sich mittlerweile wieder aus der Politik zurückgezogen hat, nachdem er gefühlt in jedes nur denkbare Fettnäpfchen getreten ist. Und da sind die NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum), ein Zusammenschluss aus Jungliberalen und Liberalem Forum – die Shootingstars der vergangenen Nationalratswahlen.

NEOSAls junge und freche Gruppierung, die sich neben JuLis auch aus ehemaligen Mitgliedern der ÖVP und der Grünen Wirtschaft zusammensetzt, mischten die NEOS im Sommer den Wahlkampf auf, und holten als absolute Neulinge und als erste liberale Partei Österreichs gleich neun Sitze im Nationalrat. Doch was macht die NEOS so erfolgreich und welche Lehren können andere liberale Parteien wie die FDP daraus ziehen?

Nicht nur durch ihre knallpinken Parteifarben stellten die NEOS einen erfrischenden Farbklecks in der sonst recht wirkenden österreichischen Parteienlandschaft dar, die seit Jahrzehnten von der Großen Koalition dominiert wird. Die NEOS wirkten wie ein dynamischer Gegentrend zur mittlerweile in der Bevölkerung sehr häufig als lähmend empfunden schwarz-roten Dauerregierung und vertraten tatsächliche eine liberale Politik, die insbesondere auf dem Thema Generationengerechtigkeit basierte und nur wenige Phrasen enthielt.

Dabei enthält das Programm durchaus einige radikale Forderungen wie etwa die Kürzung hoher Pensionen, die völlige Autonomie von Schulen sowie eine starke Reduzierung des Sozialstaats. Dass dieses weitgehend unkritisch von vielen Wählern aufgenommen worden ist, liegt nicht zuletzt an der charismatischen Parteiführung um den Vorsitzenden Matthias Strolz. Mit ehrlichen, aber auch mutigen Statements via Twitter und Co. pflegte er einen Ton, mit dem sich viele junge Wähler identifizieren konnten. Darüber hinaus fanden (zumindest in der Öffentlichkeit) keine Streitigkeiten statt, sodass die NEOS stets als eine einheitliche Truppe agierten, bei der die Inhalte und die positive Botschaft im Vordergrund standen. Diese wurden durch interne Themengruppen, aber auch durch sogenannte „Bürger_Innen-“ und „Expert_Innen“-Foren erarbeitet, sodass wirklich jeder Interessierte, der sich an Politik beteiligen wollte, in einer transparenten Art und Weise daran beteiligen konnte.

Auch für die Europawahlen 2014 haben sich die NEOS Einiges vorgenommen. Nicht nur zwei Mandate im EU-Parlament sollen es werden; die EU-Abgeordneten der NEOS sollen „nicht in Brüssel verräumt und isoliert werden„, wie Matthias Strolz die Situation in anderen Parteien beschreibt, sondern „auch eine zentrale Rolle in Österreich haben.“

Letztlich bleibt abzuwarten, ob sich die NEOS auch bei den diesjährigen Europawahlen ihre Einheitlichkeit bewahren kann, oder ob auch diese Partei, wie schon so viele vor ihr ein Verfallsdatum trägt. Bereits jetzt aber ist sie ein perfektes Beispiel dafür, dass man auch ohne großen Medienrummel und dem Fokus auf das Wesentliche eine Menge erreichen kann. Und dass der Liberalismus noch lange kein Auslaufmodell sein muss.

 

 

 

 

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.