Nationaler IT-Gipfel – Wirtschaft 4.0, Netzneutralität und Kreativwirtschaft

Der diesjährige nationale IT-Gipfel der Bundesregierung fand diesmal in Berlin statt. Er ist die zentrale Veranstaltung der „Digitalen Agenda 2014–2017“ der Bundesregierung.

Die vielen von der Digitalisierung betroffenen Lebensbereiche und Themen werden in 9 Plattformen behandelt:

  1. Digitale Netze und Mobilität
  2. Innovative Digitalisierung der Wirtschaft
  3. Industrie 4.0
  4. Digitale Arbeitswelten
  5. Digitale Verwaltung und öffentliche IT
  6. Digitale Gesellschaft
  7. Kultur und Medien
  8. Sicherheit, Schutz und Vertrauen
  9. Verbraucherpolitik

Ergänzt um ein spezielles Forum zu „Europäische und internationale Dimensionen der Digitalisierung“.

Was war wichtig – was war neu? Dazu ein paar persönliche Eindrücke.

Wirtschaft 4.0.
Natürlich war das Thema „Wirtschaft 4.0“ oder anders ausgedrückt „das Internet der Dinge“ eines der bestimmenden Themen. In diesem Bereich erwarten die Fachleute nicht weniger als eine erneute „Industrielle Revolution“. Die, sollte sie tatsächlich so eintreten, mindestens auch eine gesellschaftliche Revolution werden wird.

Mobilfunkstandard 5G
In diesem Zusammenhang kommt man an dem Thema 5G – einem neuen, noch in der Entwicklung befindlichem Mobilfunkstandard – nicht vorbei. Erst mit der 5G-Technologie wird es möglich sein, das Internet der Dinge auch Realität werden zu lassen. Die besonderen Merkmale sind:

  • Daten werden „quasi“ in Echtzeit übertagen
  • Datenraten können bis zu 100-fach höher sein als heute
  • auch bei höchster Belastung sollen Netze höhere Verfügbarkeit garantieren
  • gleichzeitig soll der Energiebedarf – relativ gesehen – abnehmen.

Kreativwirtschaft
Mit der Plattform Kultur und Medien war erstmals die Kultur- und Kreativwirtschaft auf dem IT-Gipfel eigenständig vertreten.

Schnell werden die unterschiedlichen Standpunkte zwischen IT-Wirtschaft und Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich. Dieter Gorny, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministers, beschrieb die Situation in seinem Impuls-Statement so: „Da krachen Kultur und Technik aufeinander.“.

Kein Wunder, befindet sich die IT-Branche noch immer im Rausch des technisch Machbaren. Wie so oft wird etwas gemacht, weil man es (technisch) machen kann. Die Fragen nach Sinnhaftigkeit und Relevanz für Nutzer werden nicht oder im günstigsten Fall zu spät gestellt. Hier muss die IT-Branche schnell und konsequent umdenken, wenn sie ihr Ziel, digitaler Vorreiter zu werden, erreichen will.

Perspektiven und Netzneutralität
Die fasste Thorsten Dirks, Präsident des BitKom, in seiner Keynote passend zusammen: Köpfe, Kapital, Kooperationen.

Dass es aber noch ein langer Weg ist, zeigt das Statement von Dr. Bühler, Mitglied der Geschäftsleitung der BitKom, der sich als ein vehementer Gegner der Netzneutralität outete. Er begrüßte ausdrücklich die jüngste Entscheidung, dass sogenannte (gleichwohl nicht definierte) „Spezialdienste“ im Internet bevorzugt behandelt werden. Das meint nicht anderes als: Netzbetreiber sehen für sich eine zusätzliche Einnahmequelle.

Zusammengefast die wichtigsten Punkte, die ich vom IT-Gipfel mitgenommen habe:

  • Die Branche befindet sich noch immer im Rausch des technisch Machbaren. Hier muss dringend radikal umgedacht werden.
  • Fachkräftemangel wurde kaum thematisiert. Gleichwohl scheint es Konsens zu sein, dass Wachstum im IT-Sektor davon abhängig ist, Talente zu finden und zu binden.
  • Die Politik fokussiert sich auf die Unterstützung des Mittelstandes, um das seitherige Erfolgsmodell des deutschen Mittelstandes digital zu transformieren.
  • Die kulturellen Unterschiede zwischen der Old Economy und Startups sind nach wie vor groß. Beide Seiten können jedoch von den Unterschieden profitieren.
  • Zur digitalen Transformation unserer Wirtschaft gibt es keine Alternative. Entscheidend für ihren Erfolg wird sein, ob es gelingt, in allen gesellschaftlichen Gruppen Akzeptanz zu erreichen. Das wird nur mit ernsthafter Transparenz und Partizipation möglich sein.

Zum Abschluss noch ein kleines Bonmot zum Thema der kulturellen Unterschieden
„Ich melde mich kurzfristig bei Ihnen zurück“ bedeutet in den traditionellen Konzernstrukturen „in 4 Wochen“.

Im Umfeld von Start-ups heißt das im Klartext: „… heute Nachmittag“.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.