Monitoring als Public Affairs-Handwerk

Monitoring
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Eine der wichtigsten Disziplinen innerhalb der politischen Beratung ist der Umgang mit „Intelligence“. Informationen fluten unseren Alltag – exponentiell ansteigend durch die internetbasierten Medien. Darum ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es ist weniger das Problem heutzutage an Informationen zu gelangen, als diese auf ihren Gehalt zu prüfen und für die Regulierungsberatung verwertbar zu machen. Die Qualität eines Monitorings hängt demzufolge maßgeblich davon ab, inwieweit die Bewertung von Informationen auf die Zielstellung eines Kunden einzahlt – positiv wie negativ. Welche Arten des Monitorings und damit der Informationsbeschaffung und -bewertung gibt es?

Orientiert man sich an den angloamerikanischen drei Dimensionen des Politikbegriffs Politiy (Form), Policy (Inhalt) und Politics (Prozess), dann ist der Prozess eindeutig die Königsdisziplin für ein Monitoring. Für alle drei Bereiche gibt es die klassischen Arten der Informationsbeschaffung: analoge und elektronische Medien sowie der informelle Weg über menschliche Quellen.

Die meisten Unternehmen und Verbände als Kunden politischer Beratungen wollen „auf dem Laufenden“ gehalten werden, wie sich beispielsweise die Debatte zu einem Thema entwickelt. Dazu werden die Tagesmedien wie Zeitungen, TV, Radio und online Medien beobachtet und nach relevanten Suchbegriffen ausgewertet. Die Ergebnisse fließen dann in ein regelmäßiges Reporting mit möglicherweise tagesaktuellen Alerts. Wer einen Schritt weiter geht, stellt seinem Kunden auch noch eine grobe Einordnung der Geschehnisse zur Verfügung. Was heißt es z.B. wenn ein Politiker ein Interview zu einem Thema gibt und darin für sein Anliegen wirbt? Er beabsichtigt Mehrheiten zu organisieren, die ihm später bei möglichen Entscheidungen zu dem Thema unterstützen. Oft geschieht das unter dem „Radar“ der allgemeinen Aufmerksamkeit, darum tut ein Berater gut daran, hier mitunter genauer hinzuschauen. Auch wenn Form und Inhalt 99% aller Monitorings bestimmen, so lassen sich daraus mitunter Hinweise auf prozessuale Abläufe finden. Diese sieht ein Berater aber erst, wenn er sehr tief die Hintergründe, Themen und vor allem die politische Strategie seines Kunden kennt. Ein geldwerter Berater ist also immer auch ein Inhaltsträger.

Das leitet nahtlos zum prozessorientierten Monitoring über. „It`s politics stupid!“ ließe sich in abgewandelter Form eines Bill Clinton-Zitats sagen. Der Prozess wirkt in zwei Richtungen: Erstens bildet er Zusammenhänge ab, die einem Kunden ökonomisch unangenehm oder gar gefährlich werden könnten. Zweitens kann ein Unternehmen oder Verband – die klassischen Kunden der politischen Beratung – gezielt Input liefern, um den Prozess selbst mitzugestalten. Ein plastisches Beispiel ist die Besteuerung. Steuergeld ist das Blut im Kreislauf eines Staatswesens und das Benzin für politisches Handeln. Haushaltspolitik ist das Hochamt des Parlaments; das sog. Königsrecht. Darum ist das politische Kerninteresse Einnahmen zu sichern, damit (politisch motivierte) Ausgaben getätigt werden können. Ändern sich z.B. Konsumgewohnheiten aufgrund von Verhaltensänderungen oder staatliche Steuerung, stellt sich sofort die Frage nach Möglichkeiten, die Steuereinnahmen auf mindestens gleichbleibendem Niveau zu halten. Die Frage nach einer möglichen Lenkungswirkung ist aus Prozesssicht zunächst zweitrangig. Wichtig ist einzig und allein, Einnahmen zu erschließen bzw. zu sichern. Wie spannt sich jetzt der Bogen zu einem qualitätvollen Monitoring für den jeweiligen Kunden?

Die Nachricht über mögliche Änderungen im Bereich der Besteuerung von Produkten oder Dienstleistungen ist im konkreten Fall nice to have, hilft aber mit Blick auf den Prozess nicht weiter. Eine Win-Win-Situation im Sinne des zweiseitigen Prozesses ist das Regulierungsbedürfnis der Administration (Einnahmen halten/ausweiten) zu erkennen und Lösungsansätze zu finden, die dem Regulierer die Einnahmen weiter sichern und dem eigenen Unternehmen idealerweise sogar noch Wettbewerbsvorteile einbringen. Ein Berater, der den politischen Prozess dahin gehend analysiert und seinem Kunden Bewertungen an die Hand gibt, die ihm vielleicht trotz einer heiklen Thematik die Position eines geschätzten Gesprächspartners für den Regulier eintragen, ist definitiv sein Geld wert.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.