Mein Doktor aus dem Internet – wie E-Commerce-Unternehmen das Gesundheitswesen revolutionieren

Contando Estrelas | CC by 2.0
Contando Estrelas | CC by 2.0

Ich bin das, was man im Feuilleton  der FAZ wohl als Digital Native bezeichnen würde. Egal, ob Reisebuchungen, Amtsgänge  oder Shopping, ich erledige alles, was technisch möglich ist, heutzutage im Internet. Gäbe es heute schon die Technologie des Beamens, wie sie uns damals von Mr. Spock in „Raumschiff Enterprise“ versprochen wurde, ich würde selbst Arztbesuche virtuell tätigen. Zwar wird dies auf absehbare Zeit wohl eher nicht möglich sein, jedoch gibt es heute schon zahlreiche etablierte Firmen und Startups, die uns viele andere wichtige Angelegenheiten rund um Medizin und Pflege heute schon aus der echten Welt in die virtuelle bringen und uns damit das Leben erleichtern.

Wenn schon Kleidung, Parfüms oder Mobiltelefone, warum sollte ich mir nicht auch Medikamente im Web kaufen? Schließlich kauft mittlerweile fast jeder von uns fast alles im Internet. Es gibt in Deutschland derzeit mehr als 3000 Versandapotheken und es werden immer mehr. Bereits heute bieten Versandapotheken nicht nur die reine Handelsdienstleistung, sondern stellen auch sicher, dass der Kunde mindestens so gut, aber auch so diskret wie in der Apotheke um die Ecke beraten wird. Rezeptpflichtige Arzneien dürfen derzeit nur eingeschränkt über Online-Apotheken vertrieben werden. Diesen Einschränkungen begegnen die Versender wie neuerdings Aponeo mit innovativen Ideen und ermöglichen es durch eine Kooperation mit der DHL, dass Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente von der DHL direkt beim Kunden abgeholt und zur Apotheke gebracht werden – die Arznei wird sogar noch am selben Tag geliefert, wenn man sie bis zu einer bestimmten Uhrzeit bestellt.

Gerade im Bereich Pflege ist nicht nur das Produkt an sich äußerst wichtig, sondern auch die Organisation drum herum. Das Startup Pflegebox hat sich die Pflegehilfsmittelpauschale zunutze gemacht und versendet monatlich eine Box mit Pflegeutensilien, die Pflegebedürftige von der Krankenkasse erstattet bekommen. Die Pflegeboxen enthalten zum Beispiel Einmalhandschuhe, Inkontinenzversorgung oder Desinfektionsmittel. Das Unternehmen kooperiert bereits mit mehr als 500 Pflegediensten und kostet den Kunden nichts – Pflegebox verdient an den Margen der in den Boxen befindlichen Produkte. Dabei hängt das Angebot von Pflegebox durchaus von den Regelungen der Politik ab: würde der Gesetzgeber beispielsweise die patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung bzw. Wochenblister mit in die Hilfsmittelpauschale aufnehmen, wäre es auch möglich, die Medikation für Pflegebedürftige auf unkomplizierte Weise zu regeln.

Der Vision vom virtuellen Doktorzimmer  kommt  derzeit Medexo, ein Portal für medizinische Zweitmeinungen, besonders nah. Wenn Du genau wie ich selbst Deinem Vertrauensarzt eher mit Misstrauen begegnest, ist ein Portal für Zweitmeinungen durchaus eine spannende Angelegenheit. Worum geht es? Gegründet aus Unzufriedenheit über die Patientenversorgung in Deutschland, handelt es sich bei Medexo um ein Portal, auf dem Patienten von einem medizinischen Experten ihre Erstdiagnose überprüfen lassen können. Durch ein gesetzlich geregeltes Weiterbehandlungsverbot ist die ärztliche Unabhängigkeit des Zweitmeinungsarztes gewahrt, sodass keine ökonomischen Anreize an der falschen Stelle gesetzt werden. Die Beratung erfolgt mittels eines Fragebogens und einer telefonischen Hotline. Immer mehr Krankenkassen bieten mittlerweile für diesen Service eine Kostenübernahme an.

Aber nicht auch die Politik nimmt sich des Themas der digitalisierten Medizin zunehmend an. Mit der seit diesem Jahr verpflichtenden eGesundheitskarte wurde der erste wichtige Schritt in Richtung virtueller und papierloser Daten gemacht – gespeichert werden fürs erste ausschließlich administrative Patientendaten.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation. Sie wollen mit ihm ins Gespräch kommen? Folgen Sie ihm auf Twitter oder vernetzen Sie sich mit ihm auf LinkedIn.