Medienhype AfD

Die mediale Aufmerksamkeit, die der AfD vor und jetzt nach der Wahl geschenkt wird, steht in keinem Verhältnis zu ihrem Stimmenergebnis. Auch im Wahlkampf dominierte sie häufig die Berichterstattung und bekam immer wieder von den Medien eine Bühne gestellt, um Wähler zu mobilisieren. Erinnern wir uns zum Beispiel nur daran, wie Alexander Gauland seine höchst umstrittenen Äußerungen über die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz in der ARD zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum wiederholen durfte.

medienhype-afd

Ohne Medienhype hätte die AfD kein zweistelliges Ergebnis bekommen

Klar, viele haben die AfD aus Protest gewählt, weil sie sich von den etablierten Parteien nicht ernst genommen fühlen. Jede von ihnen muss sich nun fragen, warum sie diese Menschen nicht überzeugen konnte. Aber hätte die AfD auch ohne eine mediale Beachtung dieser Art ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl bekommen? Und warum wird ihr in den Medien überhaupt so viel Aufmerksamkeit geschenkt? Fragen, die eine wissenschaftliche Untersuchung auf jeden Fall wert wären.

Medienwissenschaftler wie Bernd Gäbler warnen davor, der Selbstinszenierung der AfD auf den Leim zu gehen und ihr bei der Berichterstattung eine Sonderrolle zu geben. Ein Rat, der jetzt nach der Wahl wichtiger ist denn je. In der sogenannten Elefantenrunde der Spitzenkandidaten unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses drehten sich zum Beispiel die Fragen fast die halbe Sendung lang vor allem um die AfD. CSU-Spitzenkandidat Joachim Hermann warf den beiden Moderatoren daraufhin zu recht vor, ob die AfD wirklich nun das wichtigste Thema für die Zukunft unseres Landes sei? Bei weitem nicht!

Politisch so bedeutend, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt…

Objektiv betrachtet, haben Äußerungen von Alexander Gauland zum Existenzrecht Israels als fester Bestandteil der deutschen Staatsräson genau so viel politisches Gewicht, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Denn wirklich entscheiden oder Entscheidungen blockieren kann die AfD künftig weder im Bundestag noch in einem der Landtage. Und dennoch ist der AfD nach solchen Aussagen eine ausführliche Berichterstattung sicher. Die Regel lautet also: Wer nur stark genug provoziert, egal ob politisch relevant oder nicht, schafft es in die Medien und bestimmt so die öffentliche Debatte.

Solange das funktioniert, wird die AfD weiterhin versuchen mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen.

In der Bundespressekonferenz wurde deshalb auch medienwirksam der Austritt von Frauke Petry aus der Fraktion inszeniert. Spaltet sich jetzt die AfD? Die Parteispitze saß schmunzelnd daneben und freute sich über die Aufmerksamkeit. Alexander Gauland betonte dabei stolz, dass dies doch zeige, wie „gärig“ und sogar „obergärig“ die AfD sei. Ein Vergleich, der nebenbei gesagt, jede Biersorte verunglimpft.

Wer in der Bundespressekonferenz dachte, ein Déjà-vu zu haben, liegt richtig. Ein ähnliches Schauspiel inklusive ebenso medial zelebrierter Wiedervereinigung hat die AfD auch schon letztes Jahr im Landtag von Baden-Württemberg abgezogen. Politische Bedeutung ist in beiden Fällen jedoch absolute Fehlanzeige. Warten wir also auf die nächste AfD-Medienente, denn die kommt garantiert!

Fabian Haun war als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag über drei Jahre für ein breites Themenspektrum zuständig, das von der Innenpolitik, über digitale Agenda, Arbeitsmarkt, Energie, Verkehr und Infrastruktur bis hin zur Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik reichte. Während seines Studiums der Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft in Augsburg und Jena arbeitete er als Projektkoordinator und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Einrichtungen und Verbänden. Bei elfnullelf betreut er vor allem die Themenschwerpunkte Digitales, Planen/Bauen, Mobilität und Konsumgüter.