Man muss nicht die Sprache seiner Wähler sprechen, um Erfolg zu haben

Foto: Gage Skidmore  | License cc by 2.0
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Derzeit mischt Donald Trump den US-Präsidentschaftswahlkampf gehörig auf. Anstatt politisches Feingefühl zu beweisen (oder zu heucheln), macht er als Trampel auf sich aufmerksam und verblüfft dabei Kritiker wie Befürworter. Mit Erfolg: er führt Umfragen zufolge die Rangliste der aussichtsreichsten republikanischen Präsidentschaftskandidaten an.

Ob Einwanderer, Mexikaner oder Frauen, von Donald Trump haben in den vergangenen Wochen viele gesellschaftliche Gruppen ihr Fett wegbekommen und auch sonst nimmt Trump kein Blatt vor den Mund, sondern trägt eine regelrechte „Scheißegal“-Haltung spazieren und präsentiert Statements, die mühelos in jede Stammtisch-Diskussion passen würden. Dagegen wirkte selbst die Bundestagswahlkampagne von Peer Steinbrück aalglatt und fehlerlos.

Trump scheint durch sein ständiges Sau-Rauslassen jedoch, ob gewollt oder ungewollt, einen Effekt zu erzielen – er bekommt dadurch nämlich das Image des unabhängigen Quereinsteigers, der sich von seiner Partei nichts sagen lassen muss, sondern „frei“ entscheidet, welche Politik er für richtig hält.

Bestandteil seiner schrillen medialen Auftritte ist der Bezug zu sich selbst als „wirklich intelligenten Menschen“. Nebenbei noch stinkreich und mit unschlagbarer Haarpracht.

Genau diese Überheblichkeit birgt jedoch den Schwachpunkt seiner Kampagne. So unterhaltsam er in einer sehr medienzentrierten Politiklandschaft wie der US-amerikanischen im Vorfeld der US-Wahlen auftreten mag, so schwierig ist es, ihn als Vertreter des kleinen Mannes wahrzunehmen, der Menschen, die nicht privilegiert auf die Welt gekommen sind, echte Chancen zum Aufstieg gibt.

Letztlich werden wir sehen, wie sich die Causa Trump im Präsidentschaftswahlkampf noch entwickeln wird. Sie zeigt zumindest im Moment jedoch deutlich, dass es offenbar nicht unbedingt notwendig zu sein scheint, die Sprache seiner Wähler zu sprechen, sondern möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen –  bis hin zur Entfremdung von den ursprünglichen Werten einer Partei. Eine Diskussion, die sich durchaus auch auf die deutsche Parteienlandschaft übertragen ließe…

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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