Lasergetriebener Aktionsjournalismus

Correktiv

Eines muss man den Leuten von Correkt!V lassen: Aufmerksamkeit haben sie mit dieser Aktion erregt. Um was geht es? Kurzform: Bei Recherchen haben investigative Journalisten herausgefunden, dass das Auswärtigen Amt/BM Steinmeier angeblich über die Gefährdung von Passagierflugzeugen über der Ostukraine im Sommer letztes Jahr Bescheid wussten. Es kam am 17. Juli bekanntlich zu dem tragischen Unglück, dass MH17 abgeschossen wurde. Da das Auswärtige Amt diesen Anwurf naturgemäß nicht bestätigen wollte, hat die Redaktion Minister und Amt kurzer Hand auf Auskunft verklagt.

Anstatt nun aber abzuwarten, wie die Jurisprudenz diesen Sachverhalt im wahrsten Wortsinne beurteilt, hat die Redaktion kurzerhand zu einem durchaus ungewöhnlichen “Stilmittel” gegriffen und am Abend des 13. April um halb 10 diesen Text an die Fassade des Auswärtigen Amts in Berlin projiziert: “298 Menschen starben beim Abschuss von Flug #MH17 über der Ostukraine. Das Auswärtige Amt kannte Tage vorher die Gefahren für Passagierflugzeuge. Warum haben Sie uns nicht gewarnt, Herr Steinmeier? Sie antworten nicht. Wir klagen auf Auskunft.”

Kommunikations- und Journalismusexperten sind sich einig: Zwar sei die Aktion von der Pressefreiheit gedeckt. Mehr als Eigen-PR will der Kommunikationsforscher Volker Lilienthal aber darin nicht entdecken. Er wird vom Tagesspiegel mit den Worten zitiert: “Wer auf Auskunft klagt, sollte das Urteil abwarten und dann berichten.” Ein öffentliches Gebäude wie das Auswärtigen Amt in Berlin aber als modernen Lichtpranger zu instrumentalisieren, sei nicht das Mittel der Wahl. Dieser Beurteilung kann man sich getrost anschließen!