Krebsgeschwür

Ein heute an die SPIEGEL-Redaktion verfasster Leserbrief:

Sehr geehrte Redaktion,

im aktuellen SPIEGEL betreiben Sie ja wieder „Lobby-Bashing“ nach Art des Hauses. Gleich zweimal greifen Sie das Thema auf: Apotheken und (Ex-) EU-Kommissar Dalli/Tabakindustrie. Es ist ohne Frage sogar kriminell, was da passiert ist – zumindest mit Blick auf das Bundesgesundheitsministerium und den dort aufgedeckten Datenklau. In Brüssel steht derzeit eher Aussage gegen Aussage und die Aufarbeitung läuft noch. In dem erstgenannten Artikel ist selbstredend die Rede von „der Apothekerlobby“, „der Ärztelobby“ und im Artikel über Dalli natürlich von „der Tabaklobby“. Das zahlt gut auf die populäre – um nicht zu sagen populistische – Grundhaltung ein, dass Interessenvertretung grundsätzlich des Teufels ist und sich die Wirtschaft nur auf korrupte Weise Zugänge zu Entscheidern erkauft. Genüsslich wird dann ein gechasster deutscher Minister zitiert, der Interessenvertretung gar als „Krebsgeschwür“ bezeichnet. Das passt wunderbar auch gleich als reißerische Überschrift. Bisher dachte ich immer, für diese Art des Aufmerksamkeitserheischens hätte die BILD das Dauerabo. Aber der SPIEGEL ist offenbar keinen Deut besser. Es würde mich dennoch freuen, wenn Sie in Zukunft differenzierter solche Themen betrachten und beschreiben würden. Die Journalisten und damit die Medien tragen neben ihrem investigativen Auftrag auch mit ihrer Berichterstattung zum Ansehen der Demokratie insgesamt bei. Dazu gehört es, dass legitime Interessen artikuliert und entsprechend vertreten werden. Jeder Mensch hat diese – und sei es als Mitarbeiter eines Unternehmens, das sich politisch engagiert! Sie würden ja auch nicht der Deutschen Krebsgesellschaft oder Greenpeace absprechen, ihre Interessen ggü. der Politik wahrzunehmen. Politische Entscheider sind nun einmal auch auf Expertise von außen angewiesen, um abgewogene Entscheidungen treffen zu können. Einen internen Apparat vorzuhalten, der dieses entbehrlich machen würde, wäre sicherlich auch nicht im Sinne des Steuerzahlers. Ganz im Gegenteil: Gute Politik braucht gute Interessenvertretung – das ist nicht umsonst der Slogan meines eigenen Unternehmens.

Mit freundlichen Grüßen

Udo Sonnenberg

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.