Krankenhäuser in Bedrängnis

Krankenhäuser sind nicht dazu da, um Patienten Angst zu machen

Gesunde Menschen machen sich keine Gedanken um den Zustand von Krankenhäusern. Selten ist ihnen auch die wirtschaftliche Situation derselben bekannt und man weiß manchmal auch nicht, wie sich so ein Krankenhaus finanziert. Doch, wenn es einen  selbst erwischt und man unmittelbar mit der Tatsache konfrontiert wird, dass man selbst Patient ist, stellt man sich nicht selten die Frage „Bin ich in guten Händen?“ oder  „Werde ich richtig behandelt?“und vor allem „Ist die Behandlung notwendig?“

In der Regel sind Krankenhäuser dazu da, Kranke richtig zu behandeln und sie wieder fit zu machen. Sie sind aber auch dafür zuständig, neues Leben gesund auf die Welt zu bringen und alte Menschen gebührend zu pflegen und zu versorgen. Und daraus resultierend, müssten sie eigentlich Gesundungshäuser oder „Gesundheitszentren“  heißen.  Aber dieser Tage wird ein so schlechtes Bild von Krankenhäusern in den Medien suggeriert, dass der Begriff „Krankenhaus“ eindeutig einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Es ist oftmals die Rede von „Mengenausweitung“, „Profitstreben“ und „unnötiger sowie falscher Behandlungen“. Doch was steckt dahinter und wer trägt die Schuld?

Schuld daran könnte ein vor 10 Jahren mit dem Inkrafttreten des Fallpauschalengesetzes (FPG) eingeführtes Vergütungssystem für Krankenhäuser sein. Damit wurde die Krankenhausvergütung auf eine leistungsorientierte Vergütung umgestellt, die auf diagnosebezogenen Fallgruppen (Diagnosis Related Groups, DRGs) basiert. Es ist ein Klassifikationssystem, demzufolge  für jede Krankheit und durchgeführte Behandlung Pauschalen festgelegt werden, die die Krankenhäuser mit den Krankenkassen abrechen.
Nach 10 Jahren gerät dieses System nun immer mehr in die Kritik und obwohl die Fehler im System sowohl den Kostenträgern als auch der Politik bekannt sind, wird auch für die psychosomatischen Einrichtungen dasselbe System übergestülpt.

Das System besteht also fort und in den Medien wird derweil ein verzerrtes Bild der Realität dargestellt, das nur einen Schuldigen kennt, nämlich die Krankenhäuser selbst. Allein in den letzten zwei Wochen strahlte das ZDF und die ARD zwei Dokumentation aus, in denen die Krankenhäuser als die Orte allen Übels dargestellt wurden, die auf Kosten der Patienten die Qualität der Krankenhausbehandlung aufweichen. Natürlich hat jedes System seine schwarzen Schafe, aber die Schuld allein bei den Krankenhäusern zu suchen, ist unverschämt  und zeugt von Ablenkung von den tatsächlichen  Ursachen für die Situation der Kliniken.

Viele Kliniken stehen unter  wirtschaftlichem Druck, der politisch motiviert ist. Daher lohnt es sich zunächst alle Aspekte der Problematik zu beleuchten und daraus Schlüsse zu ziehen. Das einfache Mit-dem-Finger-zeigen reicht hier nicht aus. Wenn das System nicht funktioniert und die Qualität der Versorgung und Behandlung sinkt, dann muss eine Neuordnung stattfinden und da ist in erster Linie die Politik gefragt, die die nötigen Weichen dafür stellt. Aber auch der Patient selbst ist gefragt, insbesondere sein Urteilsvermögen. Auch er trägt zur Qualität der Behandlung bei, in dem er Misstände (gleich auf welcher Entscheidungsebene) öffentlich anspricht. Denn egal, ob krank oder gesund, die Gewährleistung einer optimalen Krankenhausbehandlung und Gesundheitsversorgung geht alle etwas an.

Hier schreiben Menschen für unseren Blog, die nur sehr unregelmäßig dazu kommen, aber dennoch Spass am Bloggen haben.