Kranich in Turbulenzen, Marke Lufthansa

Lufthansa
Der Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa ist abgesagt. Zum Glück, denn die Marke Lufthansa hat bereits schweren Schaden genommen. Starke Marken sind das Produkt harter Arbeit – von Management und Mitarbeitern. Die Marke Lufthansa ist bereits in einer bedrohlichen Schieflage: Einerseits: Durch falsche Markenpolitik und ein Vernachlässigen der Markenwerte. Andererseits: Durch das Wegfallen des Leistungsversprechens. Sprich Streik.

Wir erinnern uns: Innerhalb der vergangenen Monate haben die Piloten der Lufthansa sage und schreibe 13mal die Arbeit niederlegten. Jetzt sind es die Flugbegleiter, vertreten durch ihre Gewerkschaft UFO, die die Daumenschrauben anziehen. Nach Information des Spiegel waren beim längsten Streik in der Geschichte der Kranich-Airline Anfang November rund 4700 Flüge gestrichen. Fast eine halbe Million Passagiere wurden nicht transportiert. Nun sind die Service-Kräfte der Lüfte offenbar in jederlei Hinsicht abgehoben. Verglichen mit Ihren erdverbundenen Kolleginnen und Kollegen verdienen sie gutes Geld, haben moderate Arbeitszeiten, kommen in der Welt herum und haben auch noch Alters- und Übergangsversorgung. Um Letzteres geht es derzeit. Für die Lufthansa sind die Pensionsfonds jedoch ein großer Brocken. Für die Marke gilt: Ein Streik macht noch keinen Bruch, viele Streiks sind Gift für eine Marke.

Und das Management? Die Lufthansa befindet sich in der Zwickmühle zwischen den konkurrierenden arabischen oder fernöstlichen Premium-Linien einerseits und den Billigflieger andererseits. Das Management will daher große Teile ihres Angebots mit Hilfe der Billigtochter Germanwings anbieten, um mit Easyjet und Co zu konkurrieren. Ein riskantes Vorhaben, das die Qualitätsmarke Lufthansa verwässert. Denn die Geschäftskunden, die Geldbringern der Airline, schätzen die Premium-Marke wegen der Attribute sicher, verlässlich, service-orientiert und fortschrittlich. Dafür sind die Kunden offenbar bereit, ein wenig mehr zu zahlen.

Wenn also beide Seiten – Management als auch Mitarbeiter – so weiter machen, dann schaden Sie ihrem Unternehmen sehenden Auges und nachhaltig. Nicht auszuschließen, dass der Kranich bald eine veritable Bruchlandung hinlegt. Das Gebot der Stunde ist also, endlich eine tragfähige Lösung zu finden, die gut für die Marke ist, zum Unternehmen passt und gut für die Mitarbeitern ist. Die Airline muss wieder auf einen guten und ruhigen Kurs gebracht werden. Übrigens: Vor ein paar Tagen bin ich nach Kanada und zurück mit Lufthansa geflogen. Ein echter Genuss im Vergleich zur Konkurrenz!

Dr. Justus Bobke ist freier Berater mit den Schwerpunkten Markenentwicklung für Städte und Unternehmen sowie Medientrainings für Führungskräfte. Er besitzt Kompetenz in den Bereichen Journalismus, Public Relations und Markenmanagement und arbeitet im Expertennetzwerk AlleFürEinen. Seit Mai 2016 ist er auch Vorsitzender des Verbandes 3DDruck in Berlin. Kontakt: +49 173 61 16 294 | jb@bobke-marke.de | mehr: www.bobke-marke.de | www.allefuereinen.net | www.verband3ddruck.berlin