Kostet uns der Mindestlohn die Europameisterschaft?

Foto blu-news.org | CC by 2.0
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Was hat es in den vergangenen Jahren nicht für Debatten gegeben, ob der gesetzliche Mindestlohn, der seit 1.1. diesen Jahres gilt, sinnvoll sei und wir alle uns nun im Paradies der sozialen Gerechtigkeit wähnen dürfen, in welchem niemand mehr Armut erleiden muss und ordentlich für seine Arbeit vergütet wird. Und auch, wenn eine Mindestlohnregelung für zahlreiche Berufsgruppen, etwa Friseure, absolut richtig und schon seit Langem notwendig ist, wurde bislang nur halbherzig thematisiert, dass es durchaus Branchen gibt, denen der Mindestlohn mehr Schaden als bringt. Eine davon ist die Fußballbranche.

Natürlich meine ich nicht den großen, bunten Bundesligazirkus – den Ribérys und Neuers und Boatengs dieser Welt dürfte es sicher gut gehen, schließlich stelle ich durch meine Stadionbesuche und den Kauf von überteuertem Bier und Bratwürsten sicher, dass weder ich noch einer meiner Lieblingsspieler jemals in seinem Leben hungern muss.

Wie der aktuelle Bericht der „Welt“, in welchem die Lage des SSV Jahn Regensburg geschildert wird, jedoch zeigt, sieht die Lage jedoch in den unterklassigen Ligen aus. Hier liegt für gewöhnlich weitaus weniger Geld als bei den großen Bundesligavereinen, weshalb hier zwar Aufwandsentschädigungen gezahlt werden können, diese jedoch weitaus niedriger als der von der Großen Koalition eingeführten Mindestlohnregelung liegen. Wird derzeit besonders in der Medien- und im Agenturleben darüber geklagt, dass durch den Mindestlohn teilweise keine Praktikanten mehr eingestellt könnten, ist der unterklassige Fußball von dieser Regelung gleich mehrfach betroffen: nicht nur Trainer und Vertragsspieler, auch Praktikanten, deren Ziel es vorrangig ist, einen muss ein Verein nun den Mindestlohn zahlen – für viele Klubs ist dies das Todesurteil oder zumindest eine existenzbedrohende Situation. Für die einzelnen Spieler ist die neue Mindestlohnregelung jedoch ein Segen, den sie sich auch redlich verdienen, da der mögliche Weg in den Profisport ohnehin schon langwierig ist und eine gewisse Hartnäckigkeit voraussetzt. Ist ein Verein jedoch nicht mehr in der Lage, seinen Spielern und Angestellten diesen Lohn zu zahlen, wird er den Spielbetrieb irgendwann einstellen müssen. Natürlich wird es Vereine geben, bei denen der eine oder andere Spieler dann Unterschlupf finden kann, jedoch werden es nur noch die allerbesten Spieler eines Jahrgangs sein, talentierte Spieler mit eventuell längeren Entwicklungsphasen werden nicht unter Vertrag genommen werden und müssen ihren Traum vom Aufstieg in die Bundesliga vorzeitig beenden.

Wer eine Konzentration der Jugendarbeit auf einige wenige Vereine nicht möchte (meistens diejenigen, die auf die ach so bösen Bayern schimpfen), sondern ein Freund einer wie bislang starken Vielfalt der regionalen Vereine ist – welche der Grundbaustein für die weitere Talentförderung und letztendlich auch unsere Nationalmannschaft darstellt –  der kann nicht für den Mindestlohn in dieser Form sein. Hoffen wir, dass die Große Koalition bei Zeiten die notwendigen Verbesserungen in allen betroffenen Branchen erkennen und umsetzen wird.

Christian P. Krohne ist Public Affairs-Berater und berichtet hier über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt der PR, Lobbying und politischen Kommunikation.

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