K wie K-Frage

Der Buchstabe K hat die Ordnungsnummer 11 im Alphabet. Ob das schon als Schnapszahl gelten kann, entscheide der Leser für sich. Früher standen drei K`s in Reihe für „Kinder, Küche und Kirche“. Das hat sich zugegebenermaßen etwas überholt – zum Glück! Dennoch ist das K ein dieser Tage beliebter Buchstabe. Er wird verbunden mit einer einzigen Frage, der „K-Frage“. In diesem Zusammenhang könnte man sogar von der KK-Frage sprechen, der Frage also, wer bei der SPD nun KanzlerKandidat wird. Ge-gendert (sprich: d`schända) ist das Wort bereits völlig zu recht, da wahrscheinlich keine Kandidatin mitmischt.Es ist folglich wie im richtigen Leben: Die einen wollen, die anderen nicht. Die wahlkämpfenden Niedersachsen wähnen politischen Rückenwind, wenn nun auf Bundesebene endlich der „richtige“ Kandidat ins Rennen ginge. Die Bundestroika hingegen will an ihrer Parole festhalten, erst nach diesem politischen Auftakttermin 2013 – der Niedersachsenwahl am 20.1. – mit Signalwirkung den besten Kandidaten zu benennen. Die Krux dabei: Alle drei wollen, aber nur einer darf. Die Institution „Doppel-Kanzler“ ist – von der nicht in der Verfassung erwähnten Funktion des Vizekanzlers abgesehen – noch nicht eingerichtet. Natürlich will die Parteiführung den passenden Kandidaten für das Programm raussuchen und nicht umgekehrt. Das Programm jedoch ist bekanntlich noch nicht ganz ausgereift (z.B. Stichwort Rentenkonzept) – ist ja auch noch ein Jahr hin, der Bundestagswahltermin 2013. Nun könnte man der Überzeugung sein, ruhig Blut, dann wird das schon. So ist es in unserer medialen Politikkultur aber schon lange nicht mehr. Es sind die mal schillernden, mal weniger schillernden Figuren, die der Politik die richtige Würze geben. Und diese Würze interessiert die geneigten Medien-Konsumenten und damit Wähler. Das wissen vom Axel-Springer-Haus bis ins ARD-Hauptstadtstudio alle. Im Willy-Brandt-Haus weiß man das sicher auch. Allein, wie sollen die Indianer ihre Häuptlinge zum Entscheidungskampf bewegen?

Eine eher strategische Überlegung könnte durchaus eine Entscheidung beschleunigen: Der CDU-Parteitag am 4.12. Beantwortet die SPD die Frage kurz vorher,  fährt sie der CDU in die Parade. Der Parteitag könnte sich nicht angemessen auf einen Kandidaten einstellen. Bliebe natürlich eine andere strategische Frage: Will man das? Anhänger der Großen Koalition wollen das sicher auf beiden Seiten verhindern. Ein weiteres Argument für eine Beschleunigung wäre die 16 monatige Kandidatur von Rudolf Scharping 1994. Ein guter Kandidat hält also auch bis zur Wahl durch – wie will er sonst nachher regieren?! Wenn man zudem zu lange wartet, verliert man ggf. die Deutungshoheit über die Debatte. Das musste Kurt Beck 2008 erfahren. Er verließ das Schwielow-See-Ressort als großer Verlierer – ein Trauma. Außerdem bliebe zu bedenken, dass bei drei Kandidaten drei verschiedene Kampagne-Vorlagen erarbeitet und ausgetüftelt werden müssen, will man nach einer Januar-Nominierung nicht kostbare Zeit im Frühjahr 2013 verlieren. Das freut sicherlich die involvierten Werbeagenturen. Den Hütern der Mitgliedsbeiträge und des Vereinsvermögens sollte das aber zu denken geben.

Was aber vielleicht am schwersten wiegt, ist die Tatsache, dass es derzeit so scheint, als könne es kein Kandidat mit der Kanzlerin aufnehmen. Siegmar Gabriel muss die Rentendiskussion führen, Frank-Walter Steinmeier war schon einmal unterlegen. Er will sicher kein zweites Mal unterliegen und sich in die Reihe von Brandt und Barzel einreihen. Gut, Willy Brandt hat es dann zwar auch noch als Kanzler geschafft, aber ob das für Steinmeier frühestens 2017 realistisch ist, muss offen bleiben. Last but not least muss sich Peer Steinbrück gerade mit der lästigen „Schach-Affäre“ rumplagen. So hat eben jeder seinen Packen zu tragen und alle helfen dabei der Kanzlerin in die Unentbehrlichkeit – oder sollte man sagen Alternativlosigkeit?

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.