Japanische Kultur wird zu Baukunst | Ronja von der Heydt

Jean-Baptiste Maurice | License: CC by 2.0
Jean-Baptiste Maurice | License: CC by 2.0

An der Harvard University in Cambridge untersuchen Forscher die Origami Falttechnik aus Japan. Ein flaches Blatt Papier kann dabei in verschiedenste Formen gebracht werden – natürlich nur mit der richtigen Technik. Die Miura-Faltung interessiert die Forscher um L. Mahadevan besonders. Mit ihr werden gekrümmte Oberflächen erschaffen, wobei die zunächst große Oberfläche des Papieres auf eine Kleinere komprimiert wird. Durch gezielt angesetzte Faltkanten entstehen viele kleine Parallelogramme, die zu einer drastischen Verkleinerung der Oberfläche führen. An nur zwei Punkten bewegt, lässt sich die Oberfläche des gefalteten Papiers flexibel verändern, bis hin zu einer völlig komprimierten Form.

Die Materialforscher stellten fest, dass sich durch diese enorme Flexibilität komplexere Formen, wie Zylinder, erstellen lassen. Dafür verantwortlich ist eine Nanostruktur, die sich bei dieser bestimmten Falttechnik ergibt. Bei verschiedenen Test konnte die Miura-Faltung punktuell so verändert werden, dass sogar auch Kugeln und Vasen entstanden. Die Forscher haben dafür eine Software entwickelt, die die genaue Position der Faltungen berechnet. Ziel der Forscher ist jede beliebige Form mit der richtigen Falttechnik umzusetzen. Dabei sind vor allem dicke Materialien eine Herausforderung, welche nur mit Scharnieren gefalten werden können.

Für diese Forschung gibt es verschiedenste Anwendungsbereiche, wie die Solartechnik, die Raumfahrt oder ganz alltägliche Dinge, wie den Airbag. Auch in der Architektur soll die Forschung Anwendung finden. Architekten und Ingenieure müssen meist viel Material auf einer kleinen Fläche unterbringen. Der Ansatz der Forscher ist damit auch für den Bau von großer Bedeutung. Somit könnte die Jahrhunderte alte Kultur aus Japan mit den unterschiedlichsten Materialien moderne Architektur gestalten. Schon jetzt gibt es einige Gebäude, die nach dem Origamivorbild gestaltet worden, wie das Gesundheitsministerium in Bilbao, Spanien. Die spezielle Miura-Faltung könnte nun weitere Möglichkeiten eröffnen mit verschiedensten Materialien auch gekrümmte Oberflächen zu gestalten.

Eine weitere Anwendung sind Papphäuser. Hierbei hat ein Forschungsprojekt der TU Darmstadt schon vor zwei Jahren einen Prototypen für eine wetterfeste, zusammenfaltbare Flüchtlingsunterkunft vorgestellt. Solchen innovativen Ideen treten aktuellen Platz- und Zeitprobleme entgegen. Eine interessante Forschung, von der sicherlich noch viele weitere Entwicklungen ausgehen.

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