It´s Obama, stupid!

Dieser leicht abgewandelte Clinton-Slogan aus dessen Wahlkampf anno 1992 hätte den Amerikanern von uns Deutschen entgegen geschleudert werden können. In Deutschland wäre Barack Obama auf sagenhafte 90% plus an Zustimmung gestoßen. Dass es bei ihm zu Hause nicht so ist, liegt sicherlich an Vielem, aber auch am Land der unbegrenzten Widersprüche selbst. Obama ist ein „Gänsehaut-Redner“, der die Menschen begeistern kann. Das hat er in der Wahlnacht in Chicago erneut unter Beweis gestellt:

Der Siegestaumel ist verständlich, war es doch wieder ein kräftezehrender Wahlkampf der Superlative. Über eine halbe Milliarde Dollar haben beide Kandidaten jeweils in ihre Kampagnen investiert. Zwar haben die Republikaner in einer beinahe selbstzerfleischenden Art um ihren Spitzenkandidaten gekämpft, was dem Präsidenten Luft zum Atmen verschafft hat. Aber nach der Nominierung Mitt Romneys Ende August ging es hart zur Sache. Amerika hat Probleme ohne Ende: Arbeitslosigkeit, siechende (Alt-)Industrien, eine nicht wirklich funktionieren wollende Gesundheitsversorgung – trotz der Reformbemühungen von Obamas bisheriger Regierung – , Schulden dass einem schwindelt, gesellschaftliche Gräben u.v.m. Beide Kontrahenten warfen einander gegenseitig vor, an diesen Herausforderungen zu scheitern. Das alles ist natürlich dieser Tage etwas im Hintergrund. Aber es wird den jetzt wiedergewählten Obama mit voller Wucht einholen.

Das augenscheinlich klare Ergebnis mit 303 zu 206 Wahlmännerstimmen täuscht darüber hinweg, dass Obama gegenüber 2008 4% an Gesamtstimmen verloren hat (50:48 %; 2008: 52:46 % für Obama gegen McCain). Außerdem ist die Wahlbeteiligung in den USA traditionell niedrig. 60% gelten dort als Höchstmarke. Viele Amerikaner werden nicht durch den Präsidenten, der dort auch Chef der Regierung ist, repräsentiert. Obama hat mittelfristig einen strategischen Vorteil. Er hat die Stimmen des „bunten“ Amerika auf sich gezogen: 93% bei den Afro-Amerikanern (MR 6%) und 73% bei den Hispanics (MR 27%). Das ist eine Größenordnung, die die Republikaner in Zukunft bedenken müssen. Dennoch gibt sich das „toughe“ Amerika immer noch in Gestalt des weißen, christlichen Mannes. Dieses Amerika wird Obama im Repräsentantenhaus weiterhin zu spüren bekommen. Denn da behalten die Republikaner das Zepter in der Hand.

Wie teilweise unübersichtlich und für den Präsidenten auch unberechenbar das politische System ist, zeigt die Tatsache, dass sich die Abgeordneten des Repräsentanten Hauses alle zwei Jahre einer Wahl unterziehen müssen – parallel zur Präsidentenwahl und in der Midterm Election. Im Senat stehen jedes mal ein Drittel zur Wahl. Immer zwei pro Staat, egal wie viele Menschen dort leben – für sechs Jahre sind die Senatoren dann gewählt. Im Senat haben derzeit die Demokraten noch eine hauchdünne Mehrheit. Ein Pluspunkt für den wiedergewählten Obama.

Natürlich war auch diese Wahl wieder eine Wahl mit Internetanschluss. Der mediale Aufschlag ist einfach nur gigantisch. Herkömmliche Medien spielen dabei fast nur noch eine untergeordnete Rolle, was sogar in Deutschland deutlich wurde: Die Medienanstalten haben mit großem Aufwand die Übertragungen im Fernsehen vorbereitet und durchgeführt. Am Ende waren die Quoten eher mau. Die wahre Musik spielt(e) in den Internet-Medien. Allein dieser Ausschnitt aus der Wahlnacht im Netz macht deutlich, wohin die Reise geht.

Die Deutschen sind mit Obama bisher gut gefahren. Sein Auftrittsverbot 2008 am Brandenburger Tor spielt keine Rolle mehr. Obama hat Amerika wieder ein bisschen weltoffener gemacht nach den Bush-Jahren – gefühlt zumindest. Wird er aber seine Versprechen weiter halten können und ein in großen Teilen armes und nicht nur einiges Land wie er selbst sagt „wieder vereinigen“ können? Wir blicken mit Neugierde auf das Land und seinen alten, neuen Präsidenten.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine - dort Abitur 1993 (keine zwei "Ehrenrunden", sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) - zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.