In Kohl vereinigt

Kohl_II
Foto: Udo Springfeld | Lizenz cc 2.0.

Der Tod des Altkanzlers Helmut Kohl am Freitagmorgen hat kaum jemanden unberührt gelassen. Ein buchstäblich großer Politiker mit viel Reibungsfläche – in alle Richtungen. Es soll in den nächsten Zeilen nicht um eine weitere Charakterisierung seines politischen Wirkens gehen. Das ist in den letzten über 48 Stunden so ausführlich geschehen, dass man den Überblick verlieren könnte. Was dieser Tage aber jedem spontan in den Sinn kommt, ist die Deutsche Einheit 1989/90. Zwei Kohl-Eigenschaften haben vielleicht im Rückblick dieses Ereignis zu dem gemacht, was es schließlich geworden ist: 

Da ist als erstes sicherlich Kohls unbedingter Wille, Politik zu gestalten. Das war in seinen jüngeren Jahre, als er sich in der Honoratioren-CDU Platz verschaffte, genauso zu spüren, wie später in seiner Kanzlerschaft. Der zweite Aspekt ist oder war offenbar seine Prägung als „Übergangskind“ vom Krieg zum Frieden, die ihn zu dem bedingungslosen Europäer gemacht hat, ohne dem Europa heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein anderes Europa wäre. Er selber sprach von dem zweitn Aspekt einmal als „Gnade der späten Geburt“.

Im Rückblick hat er vor gut zehn Jahren einmal in einem Interview gesagt – andere haben die Dinge kritischer beurteilt als er selbst, wenngleich auch Kohl eingesehen hat, dass nicht alles optimal verlaufen ist in dem historisch beispiellosen Prozess der deutschen Einigung – dass er einen Zusammenhang immer falsch verstanden habe. Das habe wohl dazu geführt, dass einige Dinge insbesondere in ökonomischer Hinsicht vielleicht nicht so gelaufen sind, wie sie hätten der Theorie nach laufen sollen.

Kohl – und mit ihm wohl auch viele seiner Berater – hatte nicht verstanden, dass die gesellschaftliche Struktur im Ostteil des Landes eine andere geworden war als beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen. Dort konnte nach 45 ein Schreiner, der vor 1933 schon als Schreiner gearbeitet hatte, gleich wieder loslegen als die Kriegsschäden leidlich beseitigt waren. Anders im Osten, da ließ sich aus einem Traktoristen oder Melker, angestellt bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), nach 1989 nicht sofort wieder ein selbständiger Bauer machen. Es gehört zum einen durchaus Größe dazu, eine solche Erkenntnis zu entwickeln und öffentlich zu diskutieren. Sie zeigt aber auch, was es in Deutschland und Europa nie mehr geben darf: Die Vernichtung einer gesellschaftlichen Struktur, die auf Demokratie, Freiheit, Selbstbestimmtheit und Verantwortung für das Eigentum aufbaut. Das ist leider nicht allen derzeit aktiven politischen Akteuren bewusst.

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.