In der Glaubwürdigkeitsfalle

Das hatten wir schon öfter in letzter Zeit. Viele haben andere in eben jener Falle gesehen. Jetzt ist ein neuer Fall an die Oberfläche getreten und findet einen fruchtbaren Resonanzboden: Gegen einen ehemaligen Staatsminister im Bundeskanzleramt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Im Mai dieses Jahres wird der geplante Personalwechsel bekannt und nach der Bundestagswahl bittet der Staatsminister um seine Entlassung, weil er die neuen Aufgaben bei einem Automobilunternehmen zum 1. November aufnehmen will. Natürlich schreit die Republik auf. Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass wieder ein „Insider“ nahtlos in die Wirtschaft wechselt. Darüber hinaus wird ihm jetzt noch vorgeworfen, sich persönlich Vorteile durch sein Wissen verschafft zu haben – der SPIEGEL hat das natürlich aufgedeckt. 

Da ist es selbstverständlich an der Zeit, dass sich „die da unten“ über „die da oben“ wieder mächtig ärgern und die große Verschwörung wittern. Drei Punkte:

1) Es ist noch gar nicht erwiesen, wie der Staatsminister sein Wissen womöglich genutzt hat – es sollte hier die seit der Magna Carta (P.S.: da gibt es übrigens bald ein Jubiläum…) existierende Unschuldsvermutung auch für ihn gelten.

2) Wenn es die Menschen so aufregt, sollte man vielleicht einmal hervorheben, dass die Automobilindustrie in diesem Lande ca. 750.000 direkt betroffene Stakeholder hat – Arbeitnehmer genannt. Wenn es einer Industrie schlecht geht, stehen diese Arbeitsplätze zur Disposition. Also tun wir alle gut daran, Bedingungen zu schaffen, die zumindest nicht mutwillig Arbeitsplätze gefährdet. Im Übrigen mögen sich die Empörungsweltmeister einmal selbst hinterfragen wann sie das letzte Mal über die eine oder andere Steuertrickserei oder gar einen Versicherungsbetrug nachgedacht haben.

3) Wenn hierzulande immer wieder der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft zerredet wird, ist bald keiner mehr bereit, vorher in die Politik zu gehen oder gar in der Blüte seiner Schaffenskraft den Schritt von der Wirtschaft in die Politik zu tun.

Diese drei Aspekte zeigen, dass wir uns mit dieser Debatte einmal mehr in einer öffentlichen Glaubwürdigkeitsfalle befinden. Wie glaubwürdig ist die vorgetragene Kritik, wenn die lautesten Kritiker selbst nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind? Das muss nicht immer gleich in einen Größenordnungsvergleich münden, frei nach dem Motto: Der scheffelt jetzt aber richtig Kohle. Nein, es geht ums Prinzip und da spielt das Materielle zunächst keine Rolle!

Geboren 1971 in Braunschweig und aufgewachsen im Landkreis Peine – dort Abitur 1993 (keine zwei „Ehrenrunden“, sondern zwischendurch eine Ausbildung bei der Stadt Braunschweig) – zog es mich zum Studium nach Eichstätt und Washington D.C. Nach Beendigung des Studiums der Politikwissenschaften und Geschichte 1998, begann ich meine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort beschäftigte ich mich u.a. mit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Danach folgte eine mehrjährige Station als Projektmanager Internationales und politische Kontakte bei Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (heute Berlin Partner). Nach mehreren kurzen und längeren Stationen in der politischen Beratung kam ich 2008 als Partner zu elfnullelf. Seit August 2013 führe ich die Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation mbH als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter.