Identitätsdiebstahl im Onlinehandel wird immer schlimmer: Die Branche selbst ist gefordert

Der Betrug bei Bestellungen in Online-Shops floriert gerade zu. Denn es ist ja ganz einfach: Per Klick in den Warenkorb, dann Bezahlung per Rechnung auswählen, noch schnell den Namen des Opfers und seine Adresse eingeben und schon wird die Ware verschickt. Dank der Bestellbestätigung, die sich die Täter an eine gefälschte E-Mail-Adresse schicken lassen, können sie ganz bequem verfolgen, wann die Sendung eintrifft.

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Das Opfer bemerkt den Diebstahl erst sehr spät

Das Opfer bekommt von alle dem überhaupt nichts mit. Es geht brav zur Arbeit, während die Betrüger entweder den Paket-Boten vor der Haustür abfangen oder mit dem zuvor aus dem Briefkasten erbeuteten Benachrichtigungsschein ganz einfach das Paket beim Nachbar abholen. Denn in den meisten Fällen kennt dieser den Empfänger auch nicht. Nach ein paar Wochen kommt dann jedoch die böse Überraschung in der Form einer schriftlichen Mahnung, meist gleich mit der Androhung eines Inkasso-Verfahrens. Als Opfer darf man dann durch eine Anzeige bei der Polizei erstmal nachweisen, dass man die Ware weder bestellt noch erhalten hat. So lief es zum Beispiel auch in meinem Fall. Es wurden insgesamt sechs Bestellungen bei unterschiedlichen Versandhändlern mit einem Warenwert von insgesamt über 2.000 Euro auf meinen Namen getätigt. Ich war sehr erstaunt, dass einige Onlinehändler Ware im Wert von über 500 Euro einfach auf Rechnung verschicken, an jemanden, der noch nie zuvor bei ihnen bestellt hat.

Auch Politiker sind stark vom Online-Betrug betroffen

Nun hat es auch die Politik erwischt. Wie die Berliner Zeitung am 29. Juni berichtet, sind rund 500 Abgeordnete betroffen. Ihre Daten sind über das Internet besonders leicht zu finden. Die Politik will nun handeln und die Gesetze verschärfen. Der Onlinehandel kann und muss aber auch schon auf der heutigen Gesetzeslage viel gegen den Identitätsdiebstahl tun!

Das kann der Onlinehandel heute schon gegen Identitätsdiebstahl tun

Alle neuen Personalausweise sind zum Beispiel mit der eID-Funktion ausgestattet. Wenn sich der Onlinehandel in Deutschland zusammen tun würde und bei der Bestellung auf Rechnung die Identifizierung mit der Online-Ausweisfunktion verpflichtend einführen würde, hätten es die Betrüger künftig sehr, sehr schwer.

Auch das Problem, dass bislang kaum jemand die eID-Funktion nutzt, weil man ein Lesegerät braucht, kann die Branche selbst lösen. Lesegeräte für den PC oder für’s Smartphone kosten für den Endverbraucher zwischen 20 und 30 Euro. In einer gemeinsamen Aktion könnten die Online-Shops jedem Neukunden ein passendes Lesegerät gratis dazulegen. Das macht den Händler für Kunden, denen ihre Sicherheit im Netz immer wichtiger wird, attraktiver und spart gleichzeitig Kosten in Millionenhöhe, die jährlich durch Online-Betrug entstehen.

Fabian Haun war als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag über drei Jahre für ein breites Themenspektrum zuständig, das von der Innenpolitik, über digitale Agenda, Arbeitsmarkt, Energie, Verkehr und Infrastruktur bis hin zur Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik reichte. Während seines Studiums der Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft in Augsburg und Jena arbeitete er als Projektkoordinator und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Einrichtungen und Verbänden. Bei elfnullelf betreut er vor allem die Themenschwerpunkte Digitales, Planen/Bauen, Mobilität und Konsumgüter.